Grimme-Preise: "Besondere Ehrung" für Krimireihe "Tatort"

Grimme-Preise: "Besondere Ehrung" für Krimireihe "Tatort"
Öffentlich-rechtliche Produktionen dominieren die Nominierungen
Bei der Vorstellung der Nominierungen für den Grimme-Preis forderte Institutsdirektor Kammann die Privatsender auf, mehr Neues zu wagen. Die "Besondere Ehrung" des Volkshochschulverbandes geht an einen ARD-Klassiker.

Für die 50. Verleihung des renommierten Grimme-Preises sind in diesem Jahr wieder überwiegend Produktionen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nominiert. Es sei "bedauerlich", dass die Privatsender vor allem aus dem Ausland eingekaufte Formate und kaum noch Innovatives im Programm hätten, sagte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammmann, am Mittwoch in Düsseldorf.

Bei der Vorstellung der Nominierungen für den Fernseh-Preis 2014 appellierte Kammann an die Verantwortlichen in den privaten Fernsehsendern, mehr Geld in Eigenproduktionen zu investieren und mehr zu wagen. Die Grimme-Preise werden am 4. April in Marl verliehen. Der Fernseh-Preis ist nach Adolf Grimme benannt, der von 1948 bis 1956 Generaldirektor des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks war.

"Tatort" leistet "unterhaltende Aufklärung"

Die "Besondere Ehrung" des Deutschen Volkshochschulverbandes erhält die seit 44 Jahren bestehende ARD-Krimireihe "Tatort". Erstmals in der Geschichte dieses "Super-Grimme" werde damit ein Programmformat ausgezeichnet, sagte Ulrich Aengenvoort vom Volkshochschulverband. Der "Tatort" sei auch nach über vier Jahrzehnten überaus abwechslungsreich, offen für Lokalkolorit und leiste "unterhaltende Aufklärung", sagte Aengenvoort. Die Reihe bilde bis heute einen "einzigartigen Fixpunkt" im Fernsehprogramm und habe TV-Geschichte geschrieben.

In der Summe der bislang knapp 900 verschiedenen Folgen sei die "Tatort"-Reihe zum "letzten Fernseh-Lagerfeuer" geworden, das generationsübergreifend die Zuschauer mehr als nur in den Bann schlägt", betonte Aengenvoort. Die Reihe mit neuerdings knapp 40 neuen Produktionen pro Jahr lebe von "exzellenten Darstellern mit hohem Wiedererkennungswert" sowie von hervorragenden Drehbuchautoren und Regisseuren. Die 1970 im Ersten mit "Im Taxi nach Leipzig" an den Start gegangene Reihe "Tatort" ist die am längsten laufende und nach Einschaltquoten erfolgreichste Krimiserie im deutschsprachigen Raum.

Mehr als 60 Nominierungen

Hoffnungen auf den Grimme-Preis können sich insgesamt 62 Sendungen, Filme, Mehrteiler, Serien und Persönlichkeiten in den Kategorien Unterhaltung, Fiktion und Information machen. Dafür sichteten die Mitglieder der Nominierungskommissionen insgesamt 700 Vorschläge.

Das zurückliegende TV-Jahr habe ein gutes Niveau gehabt, "doch bleibt der Wunsch nach mehr Freiräumen und Experimenten", betonte Kammann. Er bedauerte, dass viele gute Beiträge im Informations- und Dokumentarbereich von den Sendern "in die Nacht verbannt" würden. Die Sender trauten ihrem Publikum offensichtlich nicht zu, dass es solche Produktionen auch zu anderen Zeiten einschalten würde. Insgesamt wünsche er sich im Dokumentarbereich "mehr innovative Recherche".

Mutig: Die Satire "Der Minister"

In der Kategorie Fiktion sind 23 Produktionen für einen Grimme-Preis vorgeschlagen. Dazu zählt der einzige Beitrag eines Privatsenders in dieser Kategorie, die Sat.1-Produktion "Der Minister". Mit der Satire über den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe der Sender "Mut bewiesen", sagte Volker Bergmeister von der Nominierungskommission. Nominiert sind in dieser Kategorie auch zwei "Tatort"-Ausgaben und zwei Theaterfilme: "Die Frau von früher" und der laut Bergmeister "wilde und frische" Beitrag "Woyzeck" (beide ZDF/ARTE/3sat).

In der Kategorie Information und Kultur sind 22 Produktionen nominiert. Darunter sind nach den Worten von Kommissions-Mitglied Thomas Gehringer drei Filme, die sich mit Kindern und Enkeln von Holocaust-Überlebenden beschäftigen: "Sechs Millionen und Einer" (ZDF/ARTE), "Die Wohnung" (ZDF/SWR/ARTE) sowie "Oma und Bella" (RB). Bei den dokumentarischen Serien und Mehrteilern sei das Qualitätsangebot im vergangenen Jahr "sehr dünn" gewesen, sagte Gehringer. Zu den Kandidaten für den Preis zählen unter anderem "Tagesschaum" (WDR) und "ZDFzeit: Unser Krieg - Kampfeinsatz in Afghanistan" (ZDF).

Keine kreative Eigenleistung der Unterhaltungssender

In der Kategorie Unterhaltung haben 17 Produktionen und Persönlichkeiten die Chance auf einen Grimme-Preis. Darunter sind acht Beiträge von Privatsendern. Kommissions-Mitglied Gerd Hallenberger wies darauf hin, dass in der Unterhaltung sehr viele Sendungen aus dem Ausland eingekauft und oft nur eins zu eins ins deutsche Programm übernommen würden, ohne dass eine kreative Eigenleistung erkennbar sei. Viel spannende Unterhaltung gab es 2013 laut Hallenberger im ZDF-"Beiboot" ZDFneo.

Nominiert wurden unter anderem "Beef Buddies" (ZDF/ZDFneo), die vierte Staffel der Serie "Danni Lowinski" (Sat.1), und die Produktion "Nichtgedanken", in der Prominenten-Biografien vorgelesen werden (Tele 5). Insbesondere bei Tele 5 habe sich "eine Kultur von Außenseiter-Formaten entwickelt", die "eine Nische für kreative Programme" sei, lobte Hallenberger. Für einen Grimme-Preis Spezial sind in dieser Kategorie Kai Blasberg (Tele 5) für "mutige und originelle Programmgestaltung" sowie Stefan Raab für seine Beteiligung im "Kanzlerduell 2013" (ARD/ProSieben/RTL/ZDF) nominiert.

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