NRW arbeitet sein Verhalten zum Contergan-Skandal auf

NRW arbeitet sein Verhalten zum Contergan-Skandal auf
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat eine Studie zur Haltung des Bundeslandes im Contergan-Skandal in Auftrag gegeben. "Mit der historischen Aufarbeitung wollen wir gegenüber den Opfern von Contergan, die bis heute unter den Folgen leiden, und der gesamten Öffentlichkeit das damalige Handeln des Landes durch ein unabhängiges Institut offen legen", erklärte Ministerin Barbara Steffens (Grüne) am Dienstag in Düsseldorf.
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Beauftragt wurde die Universität Münster. Ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat soll die Arbeit der Forscher unterstützen.

Zunächst sollen die gesamten archivierten Akten des Strafprozesses mit dem Schriftwechsel zwischen den verschiedenen Behörden der Staatsanwaltschaft ausgewertet werden, darunter auch das Justizministerium. Ebenso sollen die Akten des seinerzeit für Gesundheit zuständigen Innenministeriums unter die Lupe werden. Der wissenschaftliche Abschlussbericht des Teams der Universität Münster soll bis Ende 2015 vorliegen.

Das Medikament Contergan des Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal wurde im Jahr 1957 als Schlaf- und Beruhigungsmittel auf den Markt gebracht. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass der darin enthaltene Wirkstoff Thalidomid nach Einnahme durch werdende Mütter bei den Kindern zu schweren Missbildungen führte, wurde Contergan Ende 1961 von der Herstellerfirma zurückgezogen.

Anfang 1968 wurde gegen Verantwortliche der Herstellerfirma ein Strafverfahren vor dem Landgericht Aachen eröffnet, das Ende 1970 wegen "mangelnden öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung" eingestellt wurde. Kurz vorher war es zu einem Vergleich zwischen den Eltern deutscher contergangeschädigter Kinder und Grünenthal gekommen.