Krankenhäuser wehren sich gegen Report über Behandlungsfehler

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Krankenhäuser wehren sich gegen Report über Behandlungsfehler
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wehrt sich gegen einen AOK-Report, wonach in den deutschen Kliniken jedes Jahr rund 19.000 Patienten durch Behandlungsfehler zu Tode kommen. Der Präsident der Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer, verlangte am Freitag eine Entschuldigung vom AOK-Bundesverband. Das Wissenschaftliche Institut der AOK hatte den diesjährigen Krankenhaus-Report am vergangenen Dienstag veröffentlicht.

Dänzer erklärte, die Deutsche Krankenhausgesellschaft habe die Zahlen überprüft. Das Ergebnis sei eindeutig: "Die im Report behauptete Zahl von Toten kann nur eine wissentliche Falschangabe sein." Die Angabe, jeder zehnte der jährlich 188.000 Behandlungsfehler sei so gravierend, dass die Patienten sterben, sei "absolut unseriös", sagte Dänzer. Für die AOK-Studie seien offenbar veraltete Schätzungen aus den Jahren 1996 bis 2006 "fortgeschätzt" und die Entwicklungen der vergangenen Jahre ignoriert worden.

Bei der Vorstellung des Reports hatten die Autoren des Krankenhausreports 2014 auf Nachfrage eingeräumt, dass die Zahlen über Behandlungsfehler und Todesfälle auf Schätzungen beruhen, die zudem schon einige Jahre alt sind.

Der Report enthält keine neuen Erkenntnisse über Behandlungsfehler und ihre Folgen, sondern nur über den Zusammenhang zwischen der Zahl und der Qualität von Behandlungen - unter anderem am Beispiel von Hüftoperationen.

Die Dunkelziffer der Kunstfehler ist hoch

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft präsentierte nun Zahlen, wonach in den Schlichtungsstellen der Ärztekammern von allen Anträgen zu Behandlungsfehlern nur 82 auf Todesfälle entfallen. Aus den Daten von Haftpflichtversicherern für Ärzte geht demnach hervor, dass es jährlich um rund 1.200 Fälle geht, in denen ein Fehler mit Todesfolge angenommen wird. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen gehe von insgesamt rund 8.600 Behandlungsfehlern pro Jahr aus, so die Krankenhausgesellschaft.

Tatsächlich ist das Ausmaß der ärztlichen Kunstfehler und von Fehlern in der Pflege unklar. Fachleute gehen von hohen Dunkelziffern aus. Laut einer Studie des Zentrums für Pflegeforschung in Bremen geben nur 15,5 Prozent der Pflegekräfte an, dass mindestens die Hälfte aller Fehler in ihren Einrichtungen gemeldet wird. Als Hürde werden unter anderem die Angst vor disziplinarischen Folgen und mangelnde Rückmeldung genannt. Jede dritte Pflegekraft im Krankenhaus oder in einem Altenheim ist zudem unsicher, welche Fälle sie überhaupt melden muss. Die Bremer Umfrage ist inzwischen aber auch schon wieder über drei Jahre alt.

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