Christliches Hilfswerk: "Spenden Sie Ihr altes Handy"

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Foto: Thinkstock/Getty Images/Claudio Arnese

Die meisten Handys werden ausrangiert, obwohl sie noch funktionieren. Sie können wieder verwendet oder recycelt werden.

Christliches Hilfswerk: "Spenden Sie Ihr altes Handy"
Viele Handynutzer kennen die Situation: Das eigene Mobiltelefon ist eigentlich noch ganz passabel, doch dann lockt das neuere Modell mit den vermeintlich unverzichtbaren Funktionen. Alle acht bis zwölf Monate wird Experten zufolge inzwischen das alte Handy durch ein neues ersetzt. Die Folge: "Allein in Deutschland liegen fast 83 Millionen alte und kaputte Mobiltelefone ungenutzt in den Schubladen", betont das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm).

Die christliche Gesundheitsorganisation mit Sitz in Tübingen will jetzt über eine "Mitmach-Aktion" ungenutzte Handys einsammeln, um sie wieder verwendbar oder deren wertvolle metallische Inhaltsstoffe wieder verwertbar zu machen. "Insbesondere Kirchengemeinden und Schulen sind aufgefordert teilzunehmen", sagte Difäm-Direktorin Gisela Schneider am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit einer kleineren Aktion im Landkreis Tübingen habe man schon vor zwei Jahren Erfolge erzielt: "Damals haben wir über 2.000 Handys in vier Wochen gesammelt", sagt die Medizinerin.

Eigene Handy-Sammelbox basteln

Auch jetzt könne jeder ganz praktisch mithelfen: "Nehmen Sie einen alten Schuhkarton und basteln Sie daraus Ihre eigene Handy-Sammelbox. Bitten Sie Freunde, Kollegen und Bekannte ihre alten oder kaputten Handys zu spenden", betonen die Initiatoren. "Zählen Sie Ihre Handys und schreiben uns eine E-Mail mit der Anzahl der gesammelten Handys sowie Ihren Kontaktdaten. Wir schicken Ihnen einen Retourschein für den kostenfreien Versand Ihrer Pakete an die Deutsche Umwelthilfe." Diese führe die Handys dann der Wiederverwendung oder -verwertung zu. Damit wolle man letztlich den Bedarf an neuen Handys senken.

Doch nicht nur das. Mit der bis Mai dauernden Aktion "Handy - Segen oder Fluch?" will das Difäm auch das Bewusstsein für Missstände rund um die Rohstoffgewinnung für Handys in Entwicklungs- und Billiglohnländern schärfen. Für jedes eingeschickte Handy bekommt die Tübinger Organisation von der Deutschen Umwelthilfe eine Spende - und unterstützt damit die Gesundheitsarbeit der evangelischen Kirche im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Denn in dem zentralafrikanischen Land schuften viele Kinder in Minen, um das Erz Coltan aus dem Gestein zu hacken. Coltan ist für die Produktion von Handys unverzichtbar. Und im Ostkongo gibt es Schätzungen zufolge 80 Prozent der Coltan-Vorkommen weltweit. "Ich war selbst schon vor Ort", sagt Schneider. "Es gibt viel Zwangs- und Kinderarbeit."

Doch nicht nur der Abbau des begehrten Rohstoffs erfolge unter oft gefährlichen, ausbeuterischen Bedingungen, sondern auch der Handel. Denn im Bürgerkriegsland Kongo finanzieren teilweise Milizen durch die illegale Vermarktung des Erzes den Krieg. Die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) betont deshalb als Schirmherrin der Difäm-Aktion: "Wir alle sollten nur Handys kaufen, die aus Rohstoffen bestehen, die unter menschenwürdigen Bedingungen gefördert und gehandelt werden." Von den führenden Handy-Herstellern wird zudem der "Aufbau transparenter Lieferstrukturen sowie die Zertifizierung des Abbaus und der Verarbeitung der Rohstoffe" gefordert.

Und die Verbraucher sollten der Versuchung widerstehen, sich zu schnell ein neues Handy zuzulegen, rät Schneider. "Mir wurde kürzlich angeboten, kostengünstig vom iPhone 4 auf das iPhone 5 umzusteigen", erzählt sie. Doch sie lehnte ab. Ihre Antwort: "Ich will keinen unnötigen Schrott produzieren."

Coltan

Coltan heißt ein Erz, aus dem das für die Mikroelektronik wichtige Metall Tantal gewonnen wird. Tantal kann hohen Temperaturen standhalten und korrodiert kaum, weshalb es für Computer und Mobiltelefone besonders häufig eingesetzt wird.

Das Metall ist so begehrt, dass es vorübergehend teurer als Silber gehandelt wurde. Hauptabbaugebiete von Coltan sind Australien und die Demokratische Republik Kongo. Im Kongo wird es zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen von Arbeitern und auch Kindern gefördert.