Zuwanderung: Migrationsforscher fordert Hilfen statt Parolen

EU-Arbeitsmarkt jetzt auch f¸r Rum‰nen und Bulgaren offen

Foto: dpa/epa Vassil Donev

Zuwanderung: Migrationsforscher fordert Hilfen statt Parolen
Der Migrationsforscher Ludger Pries warnt vor anti-europäischen Parolen in der Debatte um die Zuwanderung von Bulgaren und Rumänen nach Deutschland.

Der stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration sagte dem epd, eine "billige Profilierung gegen Europa für den Europawahlkampf, wie wir es gerade bei der CSU erleben, wird der Problematik nicht gerecht".

Genauso wenig könne man aber die schwierige Situation in einigen Städten einfach ignorieren oder das Reden darüber als Rechtspopulismus verurteilen, sagte Pries weiter. "Die Städte brauchen Hilfe. Sie können die Probleme nicht allein lösen."

Die CSU-Forderung, Bulgaren und Rumänen keine Sozialleistungen zu gewähren, wies der Soziologe von der Uni Bochum als "populistisch" zurück. "Das geht an den Problemen völlig vorbei." Die Berechtigung werde in jedem einzelnen Fall geprüft. Eine pauschale Regelung sei nicht möglich.

"Mühsame Kleinarbeit"

Insgesamt bezögen rund zehn Prozent aller in Deutschland lebenden Bulgaren und Rumänen Sozialleistungen, sagte Pries. Doch beschreibe das nicht die Situation etwa in Dortmund oder Duisburg, wo sich Armutsflüchtlinge und Roma in bestimmten Stadtvierteln niedergelassen haben. "Dort benötigen 30 oder 40 Prozent Unterstützung."

Zudem ändere sich die Zusammensetzung der Zuwanderer. Von jenen, die in den vergangenen zehn Jahren gekommen sind, habe jeder Dritte einen akademischen Abschluss. "Jetzt haben wir eher eine Aufteilung wie bei einer Eieruhr", erläuterte Pries: "Es kommen weiter Hochqualifizierte, andererseits aber zunehmend Leute ohne berufliche Ausbildung und mit schlechten Schulabschlüssen. Dieser Trend 'nach unten' in der Qualifikationsstruktur könnte sich stabilisieren."

Der Migrationsforscher appellierte an den Bund, den betroffenen Städten zu helfen. Man müsse versuchen, "die Organisationen der Migranten - seien das nun Roma oder andere Gruppen - einzubeziehen, weil man Mittler braucht. Sonst kommt man an die Einwanderer nicht heran. Der Bund könnte solche Programme finanzieren, etwa um Integrationslotsen zu gewinnen", sagte Pries.

Je nach Lage vor Ort seien unterschiedliche Dinge nötig: Sprachförderung, die Durchsetzung des Schulbesuchs der Kinder, Berufsvorbereitung sowie die Bekämpfung von Schwarzarbeit, Ausbeutung oder Kriminalität. Das sei "mühsame Kleinarbeit", sagte Pries: "Aber es gibt keinen anderen Weg. Das haben auch Forschungsprojekte vor Ort gezeigt. Die Erweiterung der EU um Bulgarien und Rumänien ist - wie jede normale Hauserweiterung auch - mit einigen Problemen und Herausforderungen verbunden. Aber insgesamt profitieren alle Mitgliedsländer von der EU ganz erheblich, es gibt dazu keine Alternative!"

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