Publizist Abdel-Samad wieder aufgetaucht

Hamed Abdel-Samad

Foto: dpa/Inga Kjer

Publizist Abdel-Samad wieder aufgetaucht
Der in Kairo verschwundene deutsche-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad ist wieder aufgetaucht. Das teilte sein Bruder Mahmud am Dienstagabend in einem Telefonat dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Der ägyptischen Polizei zufolge handelte es sich nicht um eine Entführung.

Details nannte er zunächst nicht. Kurz darauf bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin, dass sich Hamed Abdel-Samad in der Obhut des deutschen Botschafters in Kairo befindet.

Der Publizist war am Sonntag in Kairo verschwunden, sein Bruder vermutete eine Entführung. Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es am Mittwoch zu dem mysteriösen Verschwinden des Autors: "Es war keine Entführung. Er war einfach nur verschwunden."

Mysteriöses Verschwinden

Abdel-Samad war am vergangenen Sonntag in der ägyptischen Hauptstadt verschwunden, nachdem er am Telefon berichtet hatte, er fühle sich verfolgt. Am Dienstagabend tauchte er wieder auf und begab sich zur deutschen Botschaft in Kairo.

Abdel-Samad war in Ägypten nach den Morddrohungen meist mit einem Leibwächter des Innenministeriums unterwegs gewesen. Am vergangenen Sonntag hatte er den Leibwächter jedoch nach Angaben eines Verwandten zu einer Verabredung in einem Park nicht mitgenommen.

Hamad Abdel-Samad steht seit dem Frühjahr unter Personenschutz. Als weiterer möglicher Hintergrund für sein zeitweiliges Verschwinden gilt ein Streit mit einem ehemaligen Geschäftspartner.

Der 41-jährige Abdel-Samad wurde 2009 durch sein Werk "Mein Abschied vom Himmel" bekannt. Darin schildert er seine persönliche Auseinandersetzung mit dem Islam. Das Buch löste heftige Kritik in Ägypten aus. Nach der Veröffentlichung wurde eine Fatwa gegen den bekennenden Atheisten ausgesprochen.

Extremisten hatten zudem nach einem Vortrag im Juni dieses Jahres öffentlich zum Mord an Abdel-Samad aufgerufen. Darin hatte der Publizist die damals regierenden Islamisten bezichtigt, einer faschistischen Ideologie anzugehören. Er vertrat zudem die These, dass der Islam bereits vom Propheten Mohammed als radikale und intolerante Religion angelegt worden sei.

Meldungen

Top Meldung
Prof. Christoph Markschies
Die christlichen Kirchen müssen aus Sicht des Leiters des Berliner Instituts Kirche und Judentum (IKJ), Christoph Markschies, stärker gegen Antisemitismus vorgehen.