EKD-Vizepräsident Gundlach: Keine Geschichtsleugnung

EKD-Vizepräsident Gundlach: Keine Geschichtsleugnung
Verleugnet die evangelische Kirche ihre eigene Geschichte mit Blick auf den Anti-Judaismus Martin Luthers? Die EKD widerspricht diesem Vorwurf.

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) stößt die Kritik des Kirchenhistorikers Johannes Wallmann am Umgang mit Martin Luthers Haltung zu den Juden auf Widerspruch. Die evangelischen Kirchen hätten sich nach dem Krieg konsequent von jeder Form der Judenfeindschaft losgesagt und kämpften heute gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden gegen jede aktuelle Form von Rassismus und Antisemitismus, sagte Vizepräsident Thies Gundlach vom EKD-Kirchenamt am Donnerstag dem epd.

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Die von Wallmann aufgeworfenen Fragen zur Erinnerungsfähigkeit der evangelische Kirche im Blick auf die Präsenz des Antijudaismus Luthers müssten zweifellos wissenschaftlich diskutiert werden, sagte der Theologe. Wenn dies jedoch mit der Berhauptung verbunden werde, die evangelische Kirche sei "drauf und dran, dem erinnerungspolitischen Programm der Nationalsozialisten zu einem späten Sieg zu verhelfen", handele es sich um ein Beleg für mangelnde Differenzierung.

Der evangelische Kirchenhistoriker Johannes Wallmann wirft der EKD in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Donnerstags-Ausgabe) vor, in der Auseinandersetzung über die Judenfeindlichkeit Luthers und des Protestantismus die eigene Geschichte zu verleugnen.

Vizepräsident Gundlach erinnerte daran, dass der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider mit der Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgezeichnet wurde. Zudem erhalte der Ratsvorsitzende in diesem Jahr den Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden. Es gebe einen regelmäßigen Austausch der evangelischen Kirche mit Rabbinern. Vor diesem Hintergrund sei der Vorwurf der Beförderung des Nationalsozialismus völlig überzogen, ergänzte der Theologe.