Bonhoeffer-Verein warnt: Kein kirchliches Hausrecht für Feldjäger

Bonhoeffer-Verein warnt: Kein kirchliches Hausrecht für Feldjäger
Der Dietrich-Bonhoeffer-Verein hat bei Trauerfeiern für gefallene Bundeswehrsoldaten vor einer Vermischung von Staat und Kirche gewarnt.

Die evangelische Militärseelsorge habe mit einer Empfehlung an Kirchengemeinden, bei solchen Gedenkveranstaltungen das Hausrecht an die Bundeswehr abzutreten, "eine Grenzlinie überschritten", heißt es in einer am Freitag bekanntgewordenen Stellungnahme des Vorsitzenden Karl Martin. Wenn eine staatliche Würdigung der Toten gewünscht sei, sollte dies nicht in Kirchen von "uniformtragenden Pfarrern" gestaltet und nicht von waffentragenden Feldjägern geschützt werden.

"Staatliche und kirchliche Trauerfeiern sollten immer getrennt bleiben und unterschieden werden können", hieß es weiter. Diese "Art der Vermischung von staatlichem und kirchlichem Handeln" enthalte zudem die Gefahr, "dass die alte Tradition, das Militärische zu verherrlichen oder zu verharmlosen, wiederbelebt wird", unterstrich Martin.

Hintergrund ist ein Brief der hannoverschen Landeskirche an ihre Gemeinden. Der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann informiert darin über den Ablauf bei zentralen Trauerfeiern für gefallene Soldaten in Kirchen. "Aus Gründen der Gefahrenabwehr und um Störungen vermeiden zu können, wird der Kirchenvorstand in der Regel gebeten, für die Dauer der Trauerfeier das Hausrecht an die Feldjäger der Bundeswehr zu übertragen", heißt es in dem Schreiben, das auch bei anderen Friedensaktivisten auf Kritik stößt.

Schon in der Vergangenheit Hausrecht auf Feldjäger übertragen

Das Schreiben ist im Mai dieses Jahres vom hannoverschen Landeskirchenamt an die Kirchengemeinden verschickt worden. Wie der Sprecher des Evangelischen Kirchenamtes für die Bundeswehr, Walter Linkmann, dazu erklärt hatte, sei bei zentralen Trauerfeiern mit Politikern schon in der Vergangenheit so verfahren worden. Es habe in der Kirche einen staatlichen und einen kirchlichen Teil gegeben. "Wenn beides in einem Raum stattfindet, ist es pragmatisch, einem Part das Sicherheitskonzept zu überlassen." Die Bundeswehr sei dabei routinierter. Wenn die Feldjäger die Verantwortung trügen, wollten sie auch Handlungssicherheit.

Der 1983 gegründete Dietrich-Bonhoeffer-Verein will die "Wahrnehmung christlicher Verantwortung in Kirche und Gesellschaft" fördern. Er erinnert mit seinem Namen an den 1945 im KZ Flossenbürg durch die SS ermordeten evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer.

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