Welthungerhilfe: Not der Syrer verschärft sich im Winter

Welthungerhilfe: Not der Syrer verschärft sich im Winter
Die katastrophale Lage der syrischen Bürgerkriegsopfer wird sich nach Angaben der Deutschen Welthungerhilfe mit dem einsetzenden Winter noch einmal extrem verschärfen.
20.09.2013
epd
Silvia Vogt

Vor allem in den bergigen Regionen seien die fallenden Temperaturen bedrohlich für die unzähligen Menschen, die Häuser, Hab und Gut verloren hätten, sagte Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Insgesamt sind 6,8 Millionen Menschen in Syrien dringend auf Hilfe angewiesen, darunter drei Millionen Kinder."

Wer welche Unterstützung bekomme, müssten die Helfer in Zusammenarbeit mit örtlichen Bürgerräten - angesehenen freiwilligen Vertretern - entscheiden, erklärte Dieckmann. "Wenn 6,8 Millionen Menschen Hilfe brauchen, ist der Bedarf natürlich riesig. Das ist eine gigantische logistische Leistung, die erbracht werden muss." Die Welthungerhilfe leistet Nothilfe mit Lebensmitteln und Haushaltsgegenständen, Hygieneartikeln und Medikamenten oder Baumaterial für provisorische Unterkünfte. Für den Winter werden zudem Decken, Heiz- und Isoliermaterial benötigt.

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Auf Pakete mit überlebenswichtigen Nahrungsmitteln seien nicht nur die Binnenflüchtlinge angewiesen, sondern auch Familien, die Notleidende aufnehmen, betonte Dieckmann. "Wir merken, dass sowohl die Zahlen der Flüchtlinge als auch der aufnehmenden Familien steigen. Da leben dann plötzlich 40 Menschen in einem Haus, das eigentlich nur Raum für sechs bietet." Weitere rund zwei Millionen Syrer haben sich in die Nachbarländer geflüchtet. "Wir haben große Hochachtung vor Ländern wie Jordanien, dem Libanon oder der Türkei, die in großem Umfang Flüchtlinge aufnehmen", sagte Dieckmann. "Sonst wäre die Lage in Syrien noch katastrophaler."

Mit besonderer Sorge beobachten die Helfer die Not der Kinder. "Was uns besonders wichtig ist: Dass die Kinder für ein paar Stunden am Tag dem Bürgerkrieg entfliehen können, ein Stückchen Normalität erleben", betonte Dieckmann. Daher richte die Welthungerhilfe gemeinsam mit ihrem tschechischen Projektpartner "People in Need" auch provisorische Schulen ein und unterstütze den Schulbetrieb. "Viele Menschen sind absolut traumatisiert. Auf die Kinder trifft dies besonders zu."

Dabei hielten sich die Deutschen mit Spenden für Syrien weiter zurück, sagte Dieckmann. "Ich glaube, das liegt daran, dass die politische Situation so unübersichtlich ist." Nach der jüngsten Vereinbarung zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen bis 2014 setzt Dieckmann auf verstärkte diplomatische Bemühungen: "Ich hoffe, dass diese Zeit genutzt wird von der internationalen Gemeinschaft, nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Wir unterstützen jede Forderung nach einer politischen Lösung."