Fast-Food-Beschäftigte in den USA wollen mehr Lohn

Demo in Detroit

Foto: Jim West/Report Digital-Rea/laif

Diese Fast-Food-Beschäftigten in Detroit, Michigan, verlangen 15 Dollar statt 7,40 Dollar pro Stunde.

Fast-Food-Beschäftigte in den USA wollen mehr Lohn
In den USA geht zwar die Arbeitslosenrate zurück, aber viele der neuen Jobs werden extrem schlecht bezahlt. Besonders niedrig sind die Löhne im Fast-Food-Bereich. Jetzt wird gestreikt.

Die 34-jährige Tessie Harrell, alleinerziehend, arbeitet in Milwaukee seit fünf Jahren bei Burger King. Die ersten vier Jahre habe sie 7,25 Dollar in der Stunde verdient, den gesetzlichen US-Mindestlohn. Selbst bei Vollzeitarbeit kommt sie damit nur auf rund 14.500 Dollar im Jahr. Die offizielle Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie liegt bei 23.550 Dollar.

Seit ihrer Beförderung zur Schicht-Managerin bekommt sie 8,25 Dollar. "Ich habe Rechnungen, 650 Dollar Miete im Monat. Das Geld reicht hinten und vorne nicht", klagt Tessie Harrell. Über Wasser halte sie sich mit dem staatlichen Lebensmittelhilfsprogramm. "Kein Mensch sollte so leben müssen", sagt die US-Bürgerin.

Fast alle guten Jobs sind weg

Harrell ist mit ein paar hundert ihrer Kolleginnen und Kollegen aus Milwaukee diesen Monat einen Tag lang in Streik getreten. "Wir wollen gehört werden", erklärt sie. 15 Dollar die Stunde fordern die Streikenden. Auch in New York City, Chicago, St. Louis, Detroit und Washington sind Beschäftigte der Fast-Food-Branche auf die Straße gegangen.

Solche Aktionen sind in der Branche ein Novum, denn die Beschäftigten befürchten, damit ihre Arbeitgeber zu verärgern. Offenbar ist bei den mehr als drei Millionen Angestellten im Fast-Food-Bereich das Maß voll. Viele Menschen seien verzweifelt, sagt die Rechtsanwältin Jennifer Epps-Addison, die sich in Milwaukee für die Beschäftigten einsetzt.

Die Juristin erzählt, dass ihre Großmutter bettelarm aufgewachsen sei und nur drei Jahre die Schule besucht habe. Durch harte Arbeit habe ihre Oma jedoch so viel verdient, dass sie ihrem Sohn das Jurastudium finanzieren konnte.

Doch diese Zeiten seien in ihrer Heimatstadt Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin vorbei, sagt Epps-Addison. Fast alle guten Jobs seien verschwunden. Heute müsse man in der einst so stolzen Industriestadt froh sein, wenigstens bei McDonald's oder Burger King Arbeit zu finden.

Umgerechnet 1,80 Euro pro Stunde

Der 20-jährige Javon Walker, einer der Streikenden von Milwaukee, befürchtet, dass er schon ersetzt worden ist. Seit einer Woche habe er von seinem Arbeitgeber, dem "all you can eat"-Restaurant Old Country Buffet, keine Arbeitsstunden mehr bekommen. Walker verdient 2,33 Dollar die Stunde (umgerechnet 1,80 Euro).

Der Mindestlohn von 7,25 Dollar gilt nicht für Kellner und Kellnerinnen, die von den Kunden Trinkgeld bekommen - wie die beim Old Country Buffet. Burger King erklärt unterdessen stellvertretend für die Fast-Food-Unternehmen, diese hätten "Millionen den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht".

Offenbar müssen sich immer mehr US-Amerikaner auf schlecht bezahlte Jobs einstellen. Mehr als die Hälfte der neuen Arbeitsplätze sei im Niedriglohnsektor entstanden, berichtet das Wirtschaftsforschungsinstitut "National Employment Law Project".