Unabhängige Kommission zu Missbrauch umstritten

Unabhängige Kommission zu Missbrauch umstritten
Der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs hat seine Forderung nach einer unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen bekräftigt.

Die Bundesregierung sollte Anfang des Jahres 2014 eine solche Kommission berufen, erklärte Rörig am Montag in Berlin. "Die Weichen hierfür könnten noch in diesem Jahr gestellt werden", ergänzte er. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) lehnte den Vorschlag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) ab.

Nach Rörigs Vorstellungen soll Aufgabe der Kommission sein, Betroffene anzuhören, Missbrauch umfassend wissenschaftlich aufzuarbeiten und die Berichte dann zu veröffentlichen. Dabei soll die Kommission eng mit Wissenschaft und Forschung zusammenarbeiten. Am Dienstag findet auf Rörigs Einladung ein Hearing zum derzeitigen Stand der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale statt. Zu den geladenen Experten gehören der Jesuitenpater Klaus Mertes, durch den der Missbrauch in der katholischen Kirche öffentlich wurde, und Rörigs Vorgängerin als Missbrauchsbeauftragte, Christine Bergmann.

Leutheusser-Schnarrenberger lehnt die unabhängige Kommission mit dem Verweis auf den Runden Tisch ab. Dem epd sagte sie, der Runde Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch habe sich bereits intensiv mit der Aufarbeitung befasst und gute Ergebnisse im Interesse der Opfer erzielt. "Was wir jetzt brauchen, ist nicht eine neue Kommission, sondern eine rasche Umsetzung", sagte die Ministerin, die gemeinsam mit Familienministerin Kristina Schröder und der damaligen Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) den Runden Tisch geleitet hatte.

Anlass für Rörigs Forderung nach einer unabhängigen Kommission war zu Beginn dieses Jahres das vorläufige Scheitern einer breit angelegten Untersuchung über die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, mit der die Deutsche Bischofskonferenz den Kriminologen Christian Pfeiffer beauftragt hatte. Rörig hat unterdessen den Bundestag aufgefordert, sich für eine unabhängige Kommission einzusetzen.

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