Buschkowsky: Betreuungsgeld ist "Turbo-Wahnsinn"

Buschkowsky: Betreuungsgeld ist "Turbo-Wahnsinn"
Der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), hat das neue Betreuungsgeld, das zum 1. August eingeführt wird, in scharfer Form kritisiert.

"Nahezu Turbo-Wahnsinn ist es, zwölf Milliarden Euro für den Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze der unter Dreijährigen auszugeben und dann eine Prämie von 150 Euro zu zahlen, damit man sie nicht nutzt", sagte der Bezirksbürgermeister der Zeitung "Welt am Sonntag". Er fügte hinzu: "Wer wird denn sein Kind noch in die Kita bringen, wenn er Kohle dafür bekommt, dass es zu Hause vor dem Fernseher sitzt?"

Er streite sogar dafür, das Kindergeld zu halbieren "und von den jährlich 20 Milliarden Euro eine kostenlose Kindergartenpflicht und eine obligatorische Ganztagsschule zu finanzieren", sagte der überregional bekannte Berliner Politiker in dem Interview.

Der Sozialdemokrat kritisierte zugleich die Familienpolitik von Union und SPD.  Vor allem die SPD konzentriere sich in der Bundespolitik zu sehr auf Familien in den unteren Einkommensklassen. Man dürfe die Mittelschicht nicht vergessen oder sogar noch bestrafen. "Frankreich und auch die Skandinavier fördern sehr bewusst die Familien im Bildungsbürgertum. Das Programm der SPD, sich familienpolitisch nur an Einkommensverhältnissen bis 3000 Euro zu orientieren, geht leider in eine andere Richtung", sagte Buschkowsky.

Der SPD-Politiker, der sich seit vielen Jahren für eine veränderte Haltung des Staates gegenüber sozial Benachteiligten einsetzt, betonte die Wichtigkeit gezielter Kinderförderung: "Da, wo die Dinge aus dem Ruder laufen, muss die Gesellschaft intervenieren. Wir müssen uns um die Kinder kümmern. Wir müssen sie mit dem Virus eines selbstbestimmten Lebens infizieren. Pläne zu schmieden, nach Erfolg zu streben, auf Gelungenes stolz zu sein und Niederlagen zu verkraften."

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