Sachsen will Stasi-Geschichte erlebbar machen

Sachsen will Stasi-Geschichte erlebbar machen

Der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Lutz Rathenow, will DDR-Geschichte für die heranwachsende Generation lebendig machen. Dafür gehe seine Behörde derzeit mit zwei Bildungsprojekten neue Wege, sagte Rathenow dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden. Ein mit dem GPS-Handy nutzbares Hörspiel habe am 24. April in Dresden Premiere, Mitte Juni folge in Berlin und Dresden die Eröffnung einer Ausstellung zur Geschichte der DDR.

Nutzer des Hörspiels "10 Aktenkilometer Dresden" werden mit einer Karte und einem GPS-Handy durch die Elbestadt geführt. Für die O-Töne wurden in Dresden rund 50 Zeitzeugen danach befragt, wie sie die Überwachung durch die Staatssicherheit erlebten. Der Besucher wird mit dem Handy an Orte gebracht, wo die Akteninhalte entstanden, hieß es. Er stößt dabei auf Observationsberichte, Persönlichkeitsbilder, Operativpläne, Gedächtnisprotokolle und Originaltöne aus den Archiven. In Dresden lagern mehr als zehn Aktenkilometer im Archiv der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Über den sächsischen Horizont hinaus

Die Stadt werde zum unsichtbaren Museum, zum subjektiven Archiv, das jeden einzelnen Besucher fordere, sagte Rathenow. Das Hörspielprojekt soll "weitere Erkenntnislust produzieren und einfach Neugier auf Geschichte machen", ergänzte der Landesbeauftragte. Auch einem eher dunklen Kapitel der DDR-Geschichte könnten "positive Energien entnommen werden". Rathenow plädierte dafür, DDR-Geschichte als ein "Dauerexperiment zu betrachten, dass nie aufhören wird".

Ein weiterer "Beitrag zur Gedenkkultur" sei die umfangreiche Ausstellung, die am 12. Juni in Berlin und am 17. Juni im Dresdner Landtag erstmals präsentiert wird. Auf insgesamt 75 Tafeln wird die Geschichte des Widerstandes und der Repression in der DDR erzählt. Die acht Kapitel seien jeweils in sich geschlossen.

Die Ausstellung sei ein "wichtiger Beitrag aus Sachsen, gehe aber über den sächsischen Horizont hinaus", so Rathenow. Die DDR-Vergangenheit könne nur im überregionalen Bezug erzählt werden. Die Ausstellung wird unter anderem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

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