Steueroasen: Medien wollen Daten nicht an Finanzbehörden geben

Steueroasen: Medien wollen Daten nicht an Finanzbehörden geben
Die an der Aufdeckung von weltweitem Steuerbetrug beteiligten Medien haben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf seine Bitte um Herausgabe der brisanten Daten eine Absage erteilt.

"Wir werden die Daten nicht herausgeben", sagte Bastian Obermayer, Redakteur bei der "Süddeutschen Zeitung", am Freitag dem epd. Dies sei selbstverständlich, nicht nur, weil die Redaktion die Quellen schützen wolle und müsse, sondern weil sie grundsätzlich keine Rechercheergebnisse an staatliche Stellen weitergibt, ergänzte Obermayer, der an der Auswertung der Daten beteiligt war.

Ähnlich äußerte sich auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Ein Sprecher sagte auf Anfrage, Recherchedaten würden nicht an andere weitergegeben. Die Entscheidung zur Weitergabe und Veröffentlichung des Materials liege zudem nicht bei den Medien, sondern dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ).

"Wir brauchen die Unterstützung der Medienvertreter"

Dem Netwzerk mit Sitz in Washington waren umfangreiche Daten aus insgesamt zehn Steueroasen zugespielt worden. Sie enthüllen, wo und wie Reiche ihr Geld verstecken, um Steuern zu entgehen. Das Konsortium hat die Daten an ausgewählte Medien in verschiedenen Ländern weitergegeben. Die Journalisten werteten sie über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr aus. In Deutschland sind die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR beteiligt. Seit Donnerstag veröffentlichen sie Details aus dem sogenannten Offshore-Leaks-Projekt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die Medien darum gebeten, die Daten an die zuständigen Finanzbehörden weiterzugeben, damit diese den Steuerbetrug auch strafrechtlich verfolgen können. "Wir brauchen die Unterstützung der Medienvertreter", sagte Schäubles Sprecher, Martin Kotthaus, am Freitag in Berlin.

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