Die Stadt der Reichen

Calayá

Foto: epd-bild / Matthias Knecht

In der Stadt Cayalá gibt es neokoloniale Bauten und einen neuen griechischen Tempel.

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Die Stadt der Reichen
Ein Zuckerbaron in Guatemala gründet einen eigenen, privaten Ort. Statt sich wie andere Wohlhabende hinter Mauern zu verschanzen, zeigt er, wie es besser geht. Ein Beitrag zu unserem Schwerpunkt "Stadtentwicklung".

Cayalá liegt nur 20 Minuten vom lärmenden Zentrum von Guatemala­-Stadt entfernt, doch es ist eine andere Welt. Die von einem Zuckerbaron gegründete Ortschaft ist ein Refugium der Wohlhabenden in einem der ärmsten Länder Lateinamerikas. Das hat ihr Kritik eingebracht, aber Cayalá sieht sich als Modell und will weiter wachsen - jetzt auch mit etwas billigerem Wohnraum.

"Das ist, als würde man in ein anderes Land reisen", sagt ein Passant. Er kommt nur zum Bummeln, wie so viele andere, denn mehr kann er sich nicht leisten. Bedauernd sagt der Kleinunternehmer: "Das hier ist nur für die Reichsten Guatemalas, für die Elite."

Müllabfuhr und private Polizei

In Cayalá gibt vieles, was man im Rest Guatemalas vergeblich sucht, so etwa öffentliche Mülleimer. "Stadt Cayalá" prangt darauf, ebenso auf den Gullydeckeln. Dabei ist die Siedlung mit derzeit etwa 1.500 Einwohnern allenfalls ein Städtchen. Nach einem Kilometer endet die Hauptstraße an einem Glockenturm. Ein Plakat zeigt, wie die dazugehörige Kirche demnächst aussehen wird. Dazu die Ankündigung: Cayalá wächst weiter.

Was den Ort einmalig macht, ist seine Organisation. Er gehört einer Familie, deren Reichtum aus Zuckerplantagen stammt. Deren Unternehmen Grupo Cayalá ist Eigentümer der gepflegten Straßen. Es organisiert die Müllabfuhr und es bezahlt auch die private Polizei. Im Städtchen gelten die Regeln des Unternehmens. Dazu gehören für Guatemala ungewöhnliche Dinge wie Bußgeld für Falschparken.

"Eine Illusion, dass alles gut ist"

Eine private Stadt in einem der ärmsten Länder der Region - das hat Cayalá viel böse Kritik beschert. Der renommierte Architekt Carlos Mendizábal bezeichnet das Städtchen gar als missgestaltete Fehlinvestition und fährt fort: "Cayalá verkauft die Illusion, dass alles gut ist, aber das stimmt nicht. Es ist nur für die, die es sich leisten können." Damit spielt der Kritiker auf die teuren Wohnungen an. Die letzten wurden zu Preisen zwischen 260.000 und 800.000 Dollar verkauft - in einem Land, in dem gewöhnliche Arbeiter gerade einmal 300 Dollar im Monat verdienen.

Übersetzt aus der Mayasprache Kaqchikel bedeutet Cayalá Paradies. Und so sieht es für jene mit dem nötigen Kleingeld auch aus: Passanten schlendern entspannt unter neokolonialen Laubengängen, wo Edelcafés und Modeläden um betuchte Kunden buhlen. Die verkehrsberuhigten Straßen sind mit Aufgängen im Stil alter Pariser Metrostationen mit einem riesigen unterirdischen Parkhaus verbunden. Die mehrstöckigen Häuser sind vom Kolonialstil inspiriert. Dazwischen erhebt sich ein nagelneuer griechischer Tempel - Gemeindesaal und Konferenzzentrum.

Gleich hinter dem Tempel liegt das Büro von Hector Leal, Generaldirektor der Grupo Cayalá und damit so etwas wie der Bürgermeister. Er weist die Kritik an der Exklusivität des Ortes zurück und betont: Cayalá ist öffentlich zugänglich, für jedermann.

Keine Mauern mehr

Tatsächlich begann Cayalá einst als hermetisch abgesichertes Villenviertel für die Reichen, mit Mauern, geschützt von schwerbewaffneten Wärtern. Zehntausende von wohlhabenden Guatemalteken leben in solchen bewachten Vierteln. Grund ist die Gewalt im Land - 18 Menschen werden im Tagesdurchschnitt ermordet.

Auch Bürgermeister Leal lebte einst in einer solchen Siedlung. "Ich fühlte mich eingesperrt", erinnert sich der Ingenieur. Genau damit wollte er aufhören - und setzte es in Cayalá um. "Wenn wir Mauern bauen, grenzen wir uns nur vom Rest der Gesellschaft ab. Die Mentalität der Mauern muss geändert werden."

Ziel der Gruppe Cayalá ist, etwa das Zehnfache der bisherigen Einwohnerzahl zu erreichen. Dazu stellt das Unternehmen gerade neue, günstigere Wohnungen fertig. Damit, dass diese Stadtentwicklung privat betrieben wird, hat Ingenieur Leal kein Problem: "Schon die Kolonialisierung Guatemalas vor 500 Jahren war ein privates Unternehmen. Warum sollen jetzt nicht Private eine bessere Stadt gründen?"

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