Papstwähler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

dpa/Peter Kneffel

Ein Bischof hält während einer katholischen Messe in der Sankt Paul Kirche zum 2. Ökumenischen Kirchentag ein Kreuz in den Händen (Archivbild 2010).

Deutschland spricht 2019
Papstwähler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Sechs Kardinäle aus Deutschland sowie jeweils ein Kardinal aus Österreich und der Schweiz nehmen in Rom an der Wahl des nächsten Papstes teil. Vier haben schon Konklaveerfahrung. Die Deutschen Walter Kasper, Karl Lehmann und Joachim Meisner sowie Christoph Schönborn aus Wien beteiligten sich schon 2005 an der Wahlversammlung, aus der Papst Benedikt XVI, hervorging.

Paul Josef Cordes (78), emeritierter Kurienkardinal. Der aus dem Sauerland stammende Cordes studierte zunächst in Münster Medizin und wechselte dann zur Theologie in Paderborn. 1961 Priesterweihe. An der katholisch-theoelogischen Fakultät der Uni Mainz wird er 1971 bei Karl Lehmann mit der Arbeit "Sendung zum Dienst - exegetische, historische und systematische Studien zum Konzilsdekret? Vom Dienst und Leben der Priester" promoviert. Anschließend war er Referent für pastorale Fragen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bischofsweihe 1976. Papst Johannes Paul II. ernannte Cordes 1980 zum Vizepräsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien. Zum Präsidenten des Päpstlichen Rates "Cor Unum" wurde er 1995 ernannt. Papst Benedikt XVI. erhob ihn 2007 zum Kardinal, seit 2010 ist er emeritiert.

Walter Kasper (80), emeritierter Kurienkardinal. Nach dem Studium der katholischen Theologie und Philosophie in Tübingen und München wurde Kasper, der in Heidenheim an der Brenz geboren ist, 1957 in Rottenburg zum Priester geweiht. Ab 1964 war er Professor für Dogmatik in Münster, 1970 wechselte er an die Universität Tübingen. Als Bischof von Rottenburg-Stuttgart ab 1989 und stellvertretender Vorsitzender der katholischen deutschen Bischofskonferenz gehörte Kasper zu den Befürwortern von Reformen in der katholischen Kirche. Papst Johannes Paul II. ernannte Bischof Kasper 1999 zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. 2001 wurde er Kardinal und Präsident der für die Ökumene-Fragen und für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständigen Vatikan-Behörde, an deren Spitze er bis 2010 stand. Kasper nahm 2005 am Konklave teil, aus dem Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) hervorging.

Karl Lehmann (76), Bischof von Mainz. Lehmann wuchs in der Nähe von Sigmaringen auf. Er studierte Philosophie und Theologie in Freiburg und Rom, wo er als Mitarbeiter des Theologieprofessors Karl Rahner das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) erlebte. An der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert er zum Thema "Vom Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers". 1968 wird Lehmann an der Universität Mainz Dogmatikprofessor, ab 1971 Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Universität Freiburg im Breisgau. Zum Bischof von Mainz ernannte ihn Papst Johannes Paul II. im Jahr 1983. Lehmann wurde 1987 Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, dieses Amt legte er 2008 nieder. 2001 wurde er zum Kardinal ernannt. Lehmann nahm 2005 am Konklave teil, aus dem Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) hervorging.

Reinhard Marx (59), Erzbischof von München und Freising. Marx stammt aus dem westfälischen Geseke, studierte Theologie und Philosophie in Paderborn, Paris, Münster und Bochum. Priesterweihe 1979, Vikar in Arolsen, von 1981 bis 1986 Geistlicher Rektor des Sozialinstituts "Kommende" des Erzbistums Paderborn mit Sitz in Dortmund. Nach der Promotion 1989 Direktor dieses Instituts, von 1996 bis 2002 Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Paderborn. Seit 2002 Bischof von Trier, 2007 Ernennung zum Erzbischof von München und Freising, Papst Benedikt XVI. ernennt Marx 2010 zum Kardinal. Im vergangenen Jahr wurde er zum Präsidenten der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece) gewählt.

Joachim Meisner (79), Erzbischof von Köln. Meisner stammt aus Breslau, nach der Vertreibung aus Schlesien machte er zunächst eine Lehre zum Bankkaufmann. 1951 trat er ins Priesterseminar für Spätberufene, Norbertinum, in Magdeburg ein. Von 1959 bis 1962 studierte Meisner Philosophie und Theologie. Nach der Priesterweihe 1962 war er Kaplan in Heiligenstadt und Erfurt, danach Rektor des Erfurter Caritasverbandes. Von der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom wurde er 1969 promoviert. 1975 wurde er zum Bischof geweiht. Papst Johannes Paul II. ernannte Meisner 1980 zum Bischof von Berlin, 1983 zum Kardinal. Seit 1989 ist er Erzbischof von Köln. Meisner nahm 2005 am Konklave teil, aus dem Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) hervorging.

Rainer Maria Woelki (56), Erzbischof von Berlin. Der in Köln geborene Woelki leistete nach dem Abitur seinen Wehrdienst bei der Panzerartillerie. Er studierte Theologie und Philosophie in Bonn und Freiburg und wurde 1985 zum Priester geweiht. Nach mehreren Jahren als Kaplan und Militärseelsorger berief ihn Meisner 1990 zu seinem Geheimsekretär. Von 1997 bis 2003 war Woelki Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum in Bonn. An der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom wurde er 2000 promoviert. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2003 zum Weihbischof im Erzbistum Köln. Zum Erzbischof von Berlin wurde er 2011, ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Kardinal.

Kurt Koch (62), Kurienkardinal. Der aus dem Schweizer Kanton Luzern stammende Koch studierte Theologie an den Universitäten München und Luzern. Nach der Priesterweihe 1982 war er Vikar in der Pfarrei St. Marien in Bern. Mit einer Arbeit über den evangelischen Theologen Wolfhart Pannenberg wurde Koch 1987 in Luzern promoviert. 1995 wurde der Theologe zum Bischof von Basel gewählt, von 2007 bis 2009 war er Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn 2010 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, im selben Jahr wurde er Kardinal.

Christoph Schönborn (67), Erzbischof von Wien. Nach dem Abitur trat der in Böhmen geborene Schönborn 1963 in den Dominikanerorden im westfälischen Warburg ein. Er studierte Theologie und Philosophie in Bornheim-Walberberg, Wien und Paris. 1970 Priesterweihe in Wien. Ab 1975 lehrte Schönborn katholische Dogmatik an der Universität Freiburg (Schweiz). 1980 wurde er Mitglied der Internationalen Theologenkommission des Heiligen Stuhls und 1987 Redaktionssekretär des Weltkatechismus. Seit 1995 ist Schönborn Erzbischof von Wien. Zum Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz wurde er 1998 gewählt, im selben Jahr zum Kardinal ernannt. Schönborn nahm 2005 am Konklave teil, aus dem Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) hervorging.

Papst

Der Papst ist Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Der von den Kardinälen gewählte oberste Repräsentant der katholischen Weltkirche mit rund einer Milliarde Christen ist zugleich weltliches Oberhaupt des Vatikanstaates. Seit dem 19. Jahrhundert weiteten sich die Befugnisse des Papstes und Bischofs von Rom in Glaubensfragen durch das 1870 beschlossene Unfehlbarkeitsdogma innerhalb der Kirche aus.

In der katholischen Kirche ist der Papst die oberste Autorität. Für andere christliche Kirchen gilt dies als eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Einheit der Christen. Die katholische Kirche leitet die Autorität ihres Oberhauptes aus der Annahme ab, dass er als direkter Nachfolger des Apostels Petrus gilt.

Papst Benedikt XVI. trat am 28. Februar, knapp acht Jahre nach Beginn seines Pontifikats, aus Altersgründen zurück. Nach dem Tod oder Amtsverzicht eines Papstes treten alle Kardinäle im Alter von bis zu 80 Jahren zum Konklave zusammen, um ein neues Kirchenoberhaupt zu wählen. Anstelle seines Taufnamens wählt der Papst für die Dauer seines Pontifikats einen Papstnamen.

Im Lauf seiner Geschichte veränderte sich die Bedeutung des Papstamtes grundlegend. Dabei überwogen zentralistische Bestrebungen, durch die das Kirchenoberhaupt einen starken Einfluss auf die örtlichen Kirchen in der Welt hat. In westlichen Ländern wie Deutschland stehen dem starke Forderungen nach mehr Föderalismus durch eine Verteilung der Befugnisse auf die Bischöfe entgegen.

Das Wort Papst - aus dem Griechischen für Vater - ist in Rom zum ersten Mal im zweiten Jahrhundert als Titel für Bischöfe, Äbte und Patriarchen bezeugt. Im Mittelalter nannte der Papst sich als weltlicher Herrscher mit dem Zentrum seines politischen und geistlichen Machtanspruches in Rom auch Pontifex Maximus ("Oberster Brückenbauer"). Heute ist der Papst auch außerhalb seiner Kirche als Mahner zu Frieden und Respekt vor Menschenrechten anerkannt.

Auch der koptische Patriarch von Alexandria wird als Papst bezeichnet. In der griechisch-orthodoxen Kirche wird der Titel gewöhnlich für alle Priester genutzt.