Papst erzählt die Kindheit Jesu

Krippenfigur, das Heilige Jesuskind

Foto: epd-bild/Meinrad Riedo

Eine Holzschnitzerei zeigt das heilige Jesuskind in der Krippe.

Papst erzählt die Kindheit Jesu
Papst Benedikt XVI. hat den dritten Band seiner Jesus-Trilogie veröffentlicht. Darin erzählt er das Leben von Jesus von Nazareth anhand der Evangelien. Sein Ziel: Er will zwischen biblischer Tradition und Wissenschaft vermitteln.

Nicht nur Historiker sondern auch kirchentreue Bibelforscher bezweifeln, dass die biblischen Erzählungen über das Leben von Jesus Christus geschichtlichen Fakten entsprechen. Papst Benedikt XVI. führt die Skepsis der Wissenschaftler auf eine Entfernung von der christlichen Lehre zurück. Joseph Ratzinger will gegensteuern. Im dritten und letzten Band seiner Jesus-Trilogie erzählt der Gelehrte das Leben von Jesus von Nazareth mit Hilfe der Evangelien von Johannes, Matthäus und Lukas als historische Wahrheit.

Foto: dpa/Patrick Seeger

Benedikt fordert die Historikerzunft zur Offenheit gegenüber den Glaubenswahrheiten auf. Nur unter Beachtung der kirchlichen Tradition könnten sie Jesus als Forschungsgegenstand gänzlich durchdringen, schreibt das Kirchenoberhaupt in seinem neuen Buch. Die Trilogie erscheint seit 2007 unter dem Namen des Theologen Joseph Ratzinger. Erst unter der Autorenzeile steht auf dem Umschlag auch der Name Benedikt XVI.

Marias christliche Tugenden

War er in den ersten beiden Jesus-Büchern noch von der Taufe im Jordan bis zur Auferstehung chronologisch vorgegangen, wendet Benedikt sich in dem wesentlich kürzer gehaltenen dritten Band der Kindheit von Jesus zu. Anhand seiner Vorfahren ordnet Ratzinger Jesus in die jüdische Tradition ein. Maria stammt für ihn im Unterschied zu neueren Forschungsergebnissen aus ärmlichen Verhältnissen und symbolisiert damit zugleich eine der christlichen Tugenden.

In Abgrenzung zu Egoismus, Konsumdenken und Vergnügungssucht der modernen Welt interpretiert Benedikt die Gestalt der Maria in ihrer Reaktion auf die Verkündigung ihrer Jungfrauengeburt als Urtyp des idealen Christen. Als Auserwählte nimmt sie demnach ihr Schicksal als Gottesmutter an und fügt sich gehorsam Gott. Politische und gesellschaftskritische Bezüge wie in den beiden vorangegangenen Bänden sucht der Leser vergeblich.

In dem 2011 erschienenen zweiten Jesus-Buch hatte der Autor sich noch gegen Judenmission und für Ökumene ausgesprochen, sich kritisch mit der Aufklärung, dem Reformator Martin Luther, und den Philosophen Platon, Friedrich Hegel und Karl Marx auseinandergesetzt. Im letzten Band zitiert er zumeist Autoren, die seine Auffassungen teilen.

Widersprüchliche Angaben

Die Angaben der in den biblischen Kanon aufgenommenen Evangelien über die Kindheit Jesu sind spärlich und widersprüchlich. Für Benedikt entsteht daraus jedoch mit Hilfe der von ihm ausdrücklich gewürdigten historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung und der Glaubenslehre ein einheitliches Bild. Die heute auch Laien als Apokryphen bekannten Evangelien, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, bieten Material über die ersten Lebensjahre von Jesus, bleiben jedoch unerwähnt.

Anhand des offiziellen Bibelkanons legt der 85 Jahre alte Papst sein Bild von einem Christentum dar, das damals wie heute auf starke Widerstände stößt. In einer auf das eigene Wohlbefinden ausgerichteten Gesellschaft lege die anspruchsvolle Liebe Gottes der Freiheit des Menschen scheinbar Beschränkungen auf. Wie in zahlreichen Predigten wird Benedikt in dem neuen Buch nicht müde zu betonen, dass erst in der freien Entscheidung zum Gehorsam gegenüber Gott die wahre Freiheit liege.

Der historische und der biblische Jesus sind für Benedikt deckungsgleich. Das neue Jesus-Buch dient ihm dazu, seine Überzeugung zu untermauern, dass zwischen Glauben und Vernunft, zwischen Wissenschaft und Religion kein Widerspruch besteht.

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Prolog: Die Kindheitsgeschichten, Freiburg 2012. Verlag Herder, 176 Seiten, 20 Euro.

Kritische Bibelforschung

Ist die Bibel Gottes Wort oder fromme Dichtung? Das versucht seit dem 19. Jahrhundert die kritische Bibelforschung herauszufinden. Zwar misslang der Versuch, aus den Texten das "Leben Jesu" herauszufiltern. Doch die neue Methode öffnete eine rationale Sicht auf das Neue Testament, mit der Skeptiker für den Glauben gewonnen werden sollten. Heute untersucht die moderne Bibelforschung die biblischen Texte aus dem Blickwinkel von Historikern, Archäologen, Psychologen und Sprachwissenschaftlern. Dabei wurde Theologen zufolge deutlich: Die Verfasser der Bibel hatten ein anderes Weltbild als der moderne Mensch, doch die zentrale Botschaft Jesu von der unmittelbaren Nähe Gottes zu den Menschen gilt unverändert.