Kurt Krömer: Im Olymp des höheren Blödsinns

Kurt Krömer

Foto: rbb/Katja Kuhl

Kurt Krömer ist wieder da! Seine Fans können sich freuen, denn jetzt tritt er wöchentlich im ARD-Fernsehen auf.

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Kurt Krömer: Im Olymp des höheren Blödsinns
Er kann pampiger sein als ein Berliner Taxifahrer, lässt seine prominenten Talkgäste gnadenlos auflaufen und hat das kuriose Schimpfwort "Kackbratze" populär gemacht. Nach langer Abstinenz meldet Kurt Krömer sich mit einer ARD-Sendung zurück.
18.08.2012
Von Cornelia Wystrichowski

In den Feuilletons wurde Kurt Krömer gar zum legitimen Erben von Harald Schmidt ausgerufen. Nach einer mehrmonatigen Kreativpause kehrt der Entertainer jetzt auf den Bildschirm zurück – von 18.8. moderiert der 37-jährige Berliner immer samstags nach dem "Wort zum Sonntag" seine neue Sendereihe "Krömer – Late Night Show". Seine vorherige ARD-Sendung hatte der Komiker voriges Jahr plötzlich und unerwartet beendet: "Das ist immer der gleiche Scheiß", fand er.

"Bei mir lachen die Leute auch ohne Pointe", sagt der Kultkomiker, der bürgerlich Alexander Bojcan heißt. Seine Masche ist die des Klemmis mit null Ahnung, aber großer Klappe – Journalisten fertigt er im Interview schon mal mit Antworten wie dieser ab: "Die Frage hat keine Bedeutung." Krömers Art der Unterhaltung hat mit aalglattem Entertainment nichts zu tun: Für seine Talkgäste ist es schwer, bei Krömer gut auszusehen, mit simplen Fragen, gezieltem Schweigen und seiner berüchtigten Berliner Schnauze bringt er jeden ins Schleudern. Kein Wunder, dass mit Horst Seehofer oder Guido Westerwelle diverse Spitzenpolitiker eine Einladung in seine neue Show abgelehnt haben.

Krömers Lebenslauf würde ihn bei jeder Bewerbung um einen normalen Arbeitsplatz sofort aus dem Rennen katapultieren. 1974 in Berlin geboren, verließ der schulische Totalverweigerer nach der 10. Klasse fluchtartig das Gymnasium. Die Ausbildung zum Herrenausstatter brach er ab und verdingte sich danach in Gelegenheitsjobs, unter anderem als Hilfsarbeiter auf dem Bau. Parallel absolvierte Krömer die ersten Kleinkunst-Auftritte und ließ sich nicht von leeren Sälen entmutigen. Schritt für Schritt stieg der Mann mit den Hosenträgern, den schreiend bunten Karoanzügen und dem schrägen Humor in den Olymp des höheren Blödsinns auf. 2003 landete er schließlich beim RBB Fernsehen, seit 2007 darf er im Ersten ran, mit dem Grimme-Preis erhielt Krömer voriges Jahr die verdiente Anerkennung. Schattenseite des Ruhms: Ende 2010 musste der Spaßmacher seine laufende Tournee wegen akuter Erschöpfung abbrechen.

Etwas erwachsenere und ernstere Themen

Zuletzt gönnte sich der Vater von drei Kindern eine längere Bildschirmabstinenz, drehte mehrere Kinofilme und absolvierte zahlreiche Bühnenauftritte. Nun ist der 37-Jährige zurück und sagt: "Vielleicht bin ich ein bisschen erwachsener geworden." Dazu passt, dass in den acht zunächst geplanten Folgen seine Reise zu den Isaf-Truppen in Afghanistan in Filmbeiträgen eine zentrale Rolle spielen soll – neben den üblichen Gesprächen mit Talkgästen, versteht sich. Bei Themen wie Rassismus, Krieg oder Migration dürfe den Zuschauern das Lachen gerne mal im Hals stecken bleiben, sagt Krömer, als politischer Kabarettist versteht er sich aber nicht: "Ich habe keine politische Botschaft, ich will kontroverse Themen haben." Passend zum seriösen neuen Anstrich kommt die Sendung aus dem Berliner Ensemble, der guten Theater-Stube der Hauptstadt.

Auch optisch werden sich die Fans an einen neuen Kurt Krömer gewöhnen müssen, er trägt jetzt dezenteres Tuch und Strubbelfrisur. "Das flippig Bunte habe ich verbannt aus meinem Schrank, es geht jetzt um das gesprochene Wort", erklärt er. Klingt ganz schön erwachsen.