Festgottesdienst für Wolfgang Huber

Festgottesdienst für Wolfgang Huber
Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den Altbischof Wolfgang Huber als einen der führenden intellektuellen Köpfe Deutschlands gewürdigt.

Er schätze den Menschen, respektiere den Theologen und bewundere den Intellektuellen, sagte Schröder laut Redemanuskript am Freitag im Festgottesdienst zu Ehren Hubers in Berlin. Der frühere Berliner Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist am vergangenen Sonntag 70 Jahre alt geworden.

Schröder erinnerte an Hubers Predigt einen Tag nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Der Theologe hatte damals gesagt, es müsse Schluss damit sein, sich bei Gewalttaten auf Religion zu berufen, und "verantwortliche Taten" gefordert. Daraus seien das deutsche Ja zum Afghanistan-Einsatz und das Nein zum Irak-Krieg erwachsen, sagte Schröder. Hubers Predigt habe ihm für diese Entscheidungen Orientierung und Kraft gegeben.

Vertreter aus evangelischer und katholischer Kirche würdigten beim Festgottesdienst in der Friedrichstadtkirche vor allem Hubers kirchliches Engagement. Der Berliner Bischof Markus Dröge erinnerte an den Reformprozess in EKD und Landeskirche, den Huber angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Finanzen maßgeblich angestoßen hatte. "Die Aufbrüche, die Du in Gang gesetzt hast, wirken", sagte Dröge.

Kardinal Lehmann sprach von "Sternstunden"

In einem Grußwort würdigte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider Hubers "falkenhaft" scharfen Blick bei der Lösung von Problemen. Huber habe die großen Linien nicht aus dem Blick verloren und sei gleichzeitig im Einzelnen präzise gewesen, sagte der rheinische Präses.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hob Hubers Engagement für die Ökumene hervor. Neben den "Sternstunden, wo uns manches Gemeinsame geglückt ist" gebe es aber auch "noch manches aufzuarbeiten", sagte Lehmann, der während Hubers Amtszeit Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war. Er nannte dabei Hubers 2005 formulierte Forderung nach einer "Ökumene der Profile", in der protestantische Positionen verdeutlicht werden sollten. In der katholischen Kirche war dies auf Ablehnung gestoßen.

Huber wurde am 12. August 1942 in Straßburg geboren und wuchs im Schwarzwald und in Freiburg/Breisgau als jüngster von fünf Brüdern auf. Mit seiner Ehefrau Kara hat er drei erwachsene Kinder. Vor der Übernahme kirchlicher Leitungsämter war Huber Professor für Systematische Theologie in Marburg und Heidelberg und an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft tätig. 1985 leitete er als Präsident den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf. Der Theologe gehört auch nach seinem Abschied von kirchlichen Leitungsämtern dem Deutschen Ethikrat an.
 

Meldungen

Top Meldung
Berliner Domkantorei in Corona-Quarantäne.
Die Berliner Domkantorei hat sich offenbar selbst vorübergehend zum Schweigen gebracht. Nach einer Probe am 9. März hätten sich 59 der 78 anwesenden Mitglieder krankgemeldet.