Rom, Montevideo, Florida (epd). Papst Leo XIV. hat auf der ersten Etappe seiner Südamerika-Reise den Wert der Familie für das Christentum betont. Er rief vor allem Frauen dazu auf, den Glauben innerhalb ihrer Familie weiterzugeben. „Auch wenn eure Lieben weit weg von Gott zu sein scheinen, bringt sie weiterhin vor ihn“, sagte der Papst auf Spanisch während einer Heiligen Messe, die er am Sonntagvormittag (Ortszeit) auf dem Vorplatz der Kathedralbasilika der uruguayischen Stadt Florida feierte.
Laut dem Nachrichtenportal Vaticannews nahmen am Sonntag rund 50.000 Menschen an der Messe in Florida teil, die dem Papst freudig zujubelten. Wenn man sich frage, woher der Glaube stammt, den man in sich trägt, tauche oft der Name einer bestimmten Frau auf, führte der Papst weiter aus, einer Mutter, einer Großmutter, einer Patin, einer Ordensschwester, einer Katechetin. „All diesen Frauen möchte ich heute danken“, sagte Leo XIV. „Danke, dass ihr geglaubt habt und in so vielen Familien einen Weg zu Gott offengehalten habt.“
Längste Auslandsreise Leos
Der Papst wandte sich aber auch an Väter und Großväter: „Eure Kinder und Enkelkinder müssen sehen, dass der Glaube einen echten Platz im Leben der Männer ihrer Familie einnimmt.“ Ein Sohn lerne viel, wenn er sieht, dass sein Vater vor Gott niederknien kann, „ohne sich deshalb weniger männlich vorzukommen“, sagte Leo. Die Jungen müssten sehen, „wie ihr betet, die Sakramente empfangt, eure Ehefrauen mit Respekt behandelt, um Vergebung bittet und ein ehrliches Leben führt - auch wenn dies Opfer erfordert.“
Leo befindet sich seit Freitag auf einer elftägigen Reise durch Südamerika. Es ist die bisher längste Auslandsreise seines Pontifikats. Uruguay gilt als der am stärksten säkularisierte Staat in Südamerika. Hier rief der Papst am Sonntag auch allgemein zur Missionierung auf.
„Wir können nicht immer darauf warten, dass diejenigen, die sich entfernt haben, von selbst zurückkehren“, sagte er in seiner Predigt in Florida vor dem Nationalheiligtum der „Jungfrau der Dreiunddreißig“ weiter. „Uruguay, man muss sich auf den Weg machen!“, rief der Papst die Anwesenden auf. Jeder wisse, auf wen er zugehen könne: „vielleicht auf ein Kind, einen Freund, einen Nachbarn, jemanden, der schon vor langer Zeit aufgehört hat zu glauben oder der noch nie einen Menschen in seiner Nähe hatte, der ihm von Gott erzählt hat.“
Treffen mit Milei
Bis zum 17. November will sich Papst Leo in Südamerika aufhalten. Am Sonntagnachmittag (Ortszeit) wird er von Uruguay nach Argentinien weiterreisen. In Buenos Aires ist am Abend eine Begrüßung durch Staatspräsident Javier Milei geplant, der den Papst im Regierungssitz Casa Rosada empfangen wird. Am Mittwoch wird der erste Papst aus den USA dann in seiner zweiten Heimat Peru erwartet, der letzten Reise-Etappe.
Während der ersten Messe seiner Reise, die der Papst am Samstag in der uruguayischen Stadt Paysandú feierte, rief Leo dazu auf, Brückenbauer zu sein. „Das ist unser aller Berufung: Brücken zu bauen, Bindungen zu stärken, zu vereinen.“ Paysandú liegt an der Grenze zu Argentinien. Die internationale General-Artigas-Brücke, die den Fluss Uruguay überquert, verbindet das gleichnamige Land mit dem Nachbarstaat.
Reise nur kurz nach Lungen-OP
Auf dem Programm der Südamerikareise des Papstes stehen neben zahlreichen großen Messen auch Begegnungen mit Jugendlichen, Indigenen und sozial Benachteiligten. Der Vatikan hatte im Vorfeld der Reise mitgeteilt, dass auch „einige Begegnungen“ mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Mitglieder des Klerus und der Kirche geplant seien.
Im Fokus der Reise steht aber auch die Gesundheit von Papst Leo. Erst Mitte Oktober war dem 71-Jährigen bei einer Operation ein bösartiger Tumor und mit diesem ein Teil der Lunge entfernt worden. Laut den Ärzten muss sich der Papst keiner weiteren Behandlung unterziehen, da der Krebs nicht gestreut habe. Für die anspruchsvolle Reise hatten die Mediziner grünes Licht gegeben.




