Frankfurt a.M. (epd). Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in Frankfurt am Main seine erste Jüdische Akademie eröffnet. Es handele sich um die erste überregionale jüdische Bildungseinrichtung dieser Art in Deutschland seit dem Holocaust, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Montag in Frankfurt am Main. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die Akademie als „Haus des Dialogs“.
Zuvor hatte der Frankfurter Rabbiner Avichai Apel die Mesusa, den Haussegen, außen am Gebäude angebracht. Unter den Gästen waren auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Daneben waren unter den gut 200 geladenen Gästen die frühere Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sowie als Vertreter der Kirchen die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz und der katholische Bischof von Limburg, Georg Bätzing.
Judenhass hat längst wieder Platz in der Gesellschaft
Zentralratspräsident Schuster sagte, die Akademie solle ein Zuhause für Jüdinnen und Juden werden. Das Haus sei ein Sinnbild für den Anspruch der jüdischen Gemeinschaft, in Deutschland zu Hause zu sein. Denn dieser Anspruch werde durch den wachsenden Judenhass seit dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in Deutschland infrage gestellt.
Wer behaupte, Judenhass habe keinen Platz in der Gesellschaft, der verleugne die Realität, sagte Schuster. „Der Hass hat sich diesen Platz längst genommen.“ Antisemitismus sei immer der Versuch, die Widersprüche der Welt aufzulösen und die Schuld „den Juden zuzuschieben“, sagte Schuster. Daher sei der Judenhass Feind der Aufklärung. Nur mit Bildung lasse sich etwas dagegen ausrichten. Es sei auch Aufgabe des Hauses, dem Judenhass die Stirn zu bieten, sagte Schuster. Weiterer Schwerpunkt soll laut Zentralrat aber auch die jüdische Tradition, Kultur und Geschichte sein.
„Haus ist eine Bereicherung“
Bundespräsident Steinmeier sagte, das Haus sei eine Bereicherung für das geistige Leben nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland. Ein „schöneres Zeichen des jüdischen Selbstbewusstseins und des Vertrauens in die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschlands“ könne er sich im Grunde nicht vorstellen. Er erinnerte jedoch auch an die Gefahr, der jüdisches Leben in Deutschland nach wie vor ausgesetzt ist.
Steinmeier verband seine Rede mit einem Appell an die demokratischen politischen Parteien. „Antisemitismus darf nirgendwo in Deutschland Einfluss auf die Regierungsarbeit bekommen“, sagte das Staatsoberhaupt. Er habe die klare Erwartung an alle politischen Parteien, dass im Ringen um die Macht der Schutz jüdischen Lebens niemals zur politischen Verhandlungsmasse werden dürfe.
Kosten von 40 Millionen Euro für den Bau
Der Neubau der Jüdischen Akademie an der Frankfurter Senckenberganlage zwischen Messeviertel, Unicampus und Westend hat rund 40 Millionen Euro gekostet. Auch der Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt haben den Bau nach den Plänen des Frankfurter Architekten Zvonko Turkali unterstützt.
Die Akademie steht in der Tradition des Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt in den 1920er und 30er Jahren, bevor durch den Terror der Nationalsozialisten jüdisches Leben in Deutschland unmöglich wurde.
„Wellenbrecher gegen Antisemitismus“
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef warnte davor, jüdisches Leben immer nur dann wahrzunehmen, wenn es bedroht werde. Die Jüdische Akademie sei Ausdruck der starken jüdischen Gemeinde in der Stadt. Sie werde „wie ein Wellenbrecher gegen Springflut des Antisemitismus“ wirken, sagte er.




