Steinmeier: Jüdische Akademie ist "Haus des Dialogs"

Steinmeier: Jüdische Akademie ist "Haus des Dialogs"
Bundespräsident Steinmeier hat am Montag die erste Jüdische Akademie in Deutschland nach der NS-Zeit eröffnet. Sie sei ein Beweis für das Vertrauen und das Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinschaft.

Frankfurt a.M. (epd). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die neue Jüdische Akademie in Frankfurt am Main als „Haus des Dialogs“ gewürdigt. „Die Akademie ist ein Haus für alle, die klüger wieder herauskommen wollen als sie hineingegangen sind“, sagte das Staatsoberhaupt am Montag in Frankfurt am Main zur Eröffnung.

Nach fünfjähriger Bauzeit wurde das Gebäude mit einem rabbinischen Segen eingeweiht. Es ist das erste überregionale Bildungsinstitut des Judentums in der Bundesrepublik. Träger ist der Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Akademie steht in der Tradition des Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt in den 1920er und 30er Jahren, bevor durch den Terror der Nationalsozialisten jüdisches Leben in Deutschland unmöglich wurde.

„Haus ist eine Bereicherung“

Steinmeier sagte, das Haus sei eine Bereicherung für das geistige Leben nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland. Hier werde gelernt und gestritten, nachgedacht und zugehört. „Es wird um das lebendige, vielfältige Judentum heute gehen, um jüdische Lebenswelten in Philosophie, Kunst und Literatur“, sagte Steinmeier. Auch Israel, Deutschland, Europa, religiöser und interreligiöser Dialog gehörten zu den Schwerpunkten.

Steinmeier sagte, ein „schöneres Zeichen des jüdischen Selbstbewusstseins und des Vertrauens in die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschlands“ könne er sich im Grunde nicht vorstellen. Er erinnerte jedoch auch an die Gefahr, denen jüdisches Leben in Deutschland nach wie vor ausgesetzt ist. „Wem unser Land etwas bedeutet, wer Patriot ist, wer für Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde einstehen will, der muss sich an die Seite von Jüdinnen und Juden im Alltag stellen“, appellierte Steinmeier.