Schuster und Steinmeier eröffnen erste Jüdische Akademie in Frankfurt

Schuster und Steinmeier eröffnen erste Jüdische Akademie in Frankfurt
Nach gut fünf Jahren Bauzeit öffnet die Jüdische Akademie als erste überregionale Bildungsstätte des Judentums in Deutschland seit der NS-Zeit ihre Türen. Sie will den Anspruch der jüdischen Gemeinschaft untermauern, in Deutschland zu Hause zu sein.

Frankfurt a.M. (epd). Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat am Montag seine erste Jüdische Akademie eröffnet. Es handele sich um die erste überregionale jüdische Bildungseinrichtung in Deutschland seit dem Holocaust, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Montag in Frankfurt am Main. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm als Ehrengast an der Einweihungsfeier teil. Zuvor hatte der Frankfurter Rabbiner Avichai Apel die Mesusa, den Haussegen, am Gebäude angebracht.

Schuster bezeichnete die Akademie als „Meilenstein“. Sie fülle eine Leerstelle. Denn sie zeige, „dass jüdisches Leben so viel mehr ist als jüdisches Leiden“, sagte er.

Mit Bildung gegen Antisemitismus

Das Haus sei ein Sinnbild für den Anspruch der jüdischen Gemeinschaft, in Deutschland zu Hause zu sein, sagte Schuster. Denn dieser Anspruch werde durch den wachsenden Judenhass seit dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in Deutschland infrage gestellt.

Wer behaupte, Judenhass habe keinen Platz in der Gesellschaft, der verleugne die Realität, sagte Schuster. „Der Hass hat sich diesen Platz längst genommen.“ Antisemitismus sei immer der Versuch, die Widersprüche der Welt aufzulösen und die Schuld „den Juden zuzuschieben“, sagte Schuster. Daher sei der Judenhass Feind der Aufklärung. Nur mit Bildung lasse sich etwas dagegen ausrichten, dazu solle auch die neue Akademie ihren Beitrag leisten.

Jüdische Tradition und Kultur

So liegt ein wesentlicher Teil des künftigen Programms, das sich an die gesamte Gesellschaft richtet, auf antisemitismuskritischer Bildungsarbeit und der Stärkung der demokratischen Werte. Weiterer Schwerpunkt soll laut Zentralrat aber auch die jüdische Tradition, Kultur und Geschichte sein.

Der Neubau der Jüdischen Akademie an der Frankfurter Senckenberganlage zwischen Messeviertel, Unicampus und Westend hat rund 40 Millionen Euro gekostet. Auch der Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt haben den Bau nach den Plänen des Frankfurter Architekten Zvonko Turkali unterstützt.