Missbrauchsbericht im Bistum Erfurt sieht strukturelle Probleme

Missbrauchsbericht im Bistum Erfurt sieht strukturelle Probleme
Priester genossen in der DDR vielfach große Unabhängigkeit von der Kirchenverwaltung. Eine Aufarbeitungskommission des katholischen Bistums Erfurt hat deren Folgen für Missbrauch und Gewalt untersucht.

Erfurt (epd). Die unabhängige Aufarbeitungskommission im katholischen Bistum Erfurt hat nach fünf Jahren Untersuchungen ihren Abschlussbericht zu Missbrauch und sexualisierter Gewalt vorgelegt. Für den Zeitraum von 1945 bis 2021 sein rund 60 Beschuldigte und eine erheblich höhere Zahl von Betroffenen ermittelt worden, teilte das Gremium am Donnerstag mit. Die Kommission gehe zudem von einem großen Dunkelfeld aus, da sich viele Betroffene aus unterschiedlichen Gründen keiner Stelle anvertraut hätten.

Der Bericht beleuchtet den Angaben zufolge erstmals umfassend die Situation in der katholischen Kirche in einem ostdeutschen Bundesland. Dabei untersuche er auch die besonderen Bedingungen der katholischen Kirche in der DDR. Priester hätten vielfach eine große Unabhängigkeit gegenüber der kirchlichen Verwaltung besessen. Diese habe in einigen Fällen das Tatgeschehen erleichtert. Zudem seien Kinder in katholischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe erheblicher Gewalt ausgesetzt gewesen, auch durch Ordensschwestern.

Kein generelles Systemversagen festgestellt

Die Kommission hat neben den konkreten Fällen auch systemische und strukturelle Bedingungen von Missbrauch und möglicher Vertuschung untersucht. Ein generelles Systemversagen der Kirche lasse sich zumindest für die Zeit bis zur Wiedergründung des Bistums Erfurt 1994 nicht feststellen, teilte die Kommission mit.

Erarbeitet wurde der Bericht von einer Arbeitsgruppe unter Leitung der ehemaligen Bundesarbeitsrichterin Ulrike Brune. Grundlage waren die Analyse tausender Dokumente sowie Gespräche mit Betroffenen, Verantwortlichen und möglichen Zeugen.