Atommüll: Kommission schließt weitere Flächen für Endlagerung aus

Atommüll: Kommission schließt weitere Flächen für Endlagerung aus
Die Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Abfall ist mühsam und zieht sich hin. Am Dienstag veröffentlichte die Bundesgesellschaft für Endlagerung neue Arbeitsstände
27.10.2026
epd
Von Reimar Paul (epd)

Peine, Gorleben (epd). Die Suche nach einem Endlager für den hochradioaktiven Atommüll wird konkreter. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat die infrage kommenden Gebiete am Dienstag noch einmal reduziert. Danach kommen noch Regionen in elf von 16 Bundesländern für ein Endlager infrage. Mit dem aktuellen Arbeitsstand werde die weiter betrachtete Fläche auf weniger als fünf Prozent des Bundesgebietes eingegrenzt, erläuterte BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder. Es handelt sich dabei um 36 sogenannte Teilgebiete. Im vergangenen Jahr befanden sich noch 90 Teilgebiete auf etwa 25 Prozent der Fläche Deutschlands im Suchverfahren.

2027 will die BGE „eine bis zwei Handvoll“ Standortregionen benennen, die dann bergmännisch untersucht werden sollen. Der Bundestag muss diesem Vorschlag zustimmen. Mit einer endgültigen Entscheidung über den Endlagerstandort rechnet Graffunder spätestens bis Mitte dieses Jahrhunderts.

Fünf Bundesländer bereits aus dem Rennen

Einer am Dienstag von der BGE ins Netz gestellten interaktiven Karte zufolge weisen noch elf Bundesländer potenziell geeignete Gebiete aus. Berlin, Hessen und Sachsen sind aktuell nicht mehr im Suchverfahren. Rheinland-Pfalz und das Saarland waren schon früher ausgeschieden. In Niedersachsen bleiben vor allem Flächen in der Region Hannover, in den Landkreisen Peine, Schaumburg und Osnabrück sowie im Emsland und im Harz im Verfahren. Auch im Land Bremen wird noch ein Gebiet geprüft.

Als sogenannte Wirtsgesteine für das Endlager kommen unterirdische Granit- und Tonformationen sowie Salzstöcke in Betracht. Die künftige Lagerstätte soll mindestens 300 Meter unter der Erde liegen und von einer mindestens 100 Meter dicken Gesteinsschicht als Barriere umgeben sein. Die radioaktiven Abfälle sollen dort für mindestens eine Million Jahre möglichst sicher verwahrt werden.

Rund 1.900 Castoren müssen eingelagert werden

Durch den Betrieb der Atomkraftwerke sind in Deutschland rund 28.000 Kubikmeter an hochradioaktivem Atommüll angefallen. Das entspricht 10.500 Tonnen Schwermetall, die in etwa 1.900 Castor-Behältern verpackt wurden oder noch werden.

Der hochaktive Müll besteht aus den ausgedienten Brennelementen aus den Atomkraftwerken sowie aus in Glas eingeschmolzenen Rückständen der Wiederaufarbeitung. Obwohl die hochradioaktiven Teile nur etwa 5 bis 10 Prozent des gesamten Volumens aller radioaktiven Abfälle in der Bundesrepublik ausmachen, enthalten sie mehr als 99 Prozent der Radioaktivität.

Die Suche hatte mit dem 2013 verabschiedeten und vier Jahre später novellierten Standortauswahlgesetz neu begonnen. Nach Jahren heftiger politischer Auseinandersetzungen über die Atomkraft sicherte es einen wissenschaftsbasierten Neustart. Das bedeutet: Der Standort für das Endlager, dem in letzter Instanz der Bundestag zustimmen muss, wird allein nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt.

Gorleben schied 2020 aus dem Suchverfahren aus

Der jahrzehntelang als einziger Standort untersuchte Salzstock in Gorleben war schon 2020 aus dem Verfahren ausgeschieden - wegen geologischer Mängel, auf die Kritiker schon zuvor immer wieder hingewiesen hatten. Das Gestein über dem Salzstock weist keine ausreichende Stärke auf, um das Austreten von Radioaktivität über den geforderten Zeitraum von einer Million Jahren sicher zu verhindern.