Berlin (epd). Der Klimawandel, anhaltende Konflikte und fehlende Perspektiven im Herkunftsland sind aus Sicht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zentrale Treiber für Migrationsbewegungen. Mit Blick auf eine zunehmend restriktiven Grenzpolitik und Finanzierungslücken bei humanitärer Hilfe sei das gesamte Migrationssystem „aus den Fugen geraten“, sagte IOM-Generaldirektorin Amy Pope dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es brauche bessere Strukturen für Arbeitsmigration und sichere Rückkehrbedingungen für Geflüchtete, forderte Pope.
„Demografische Veränderungen auf der ganzen Welt bedeuten, dass Migration notwendig ist“, sagte Pope. Grundsätzlich müsse Arbeitsmigration stärker über legale Wege gesteuert werden. Europäischen Regierungen riet die IOM-Chefin, ihren Arbeitsmarktbedarf zu prüfen und „strukturierte Mechanismen zur Anwerbung der benötigten Fachkräfte“ einzurichten.
Sinkende Hilfen erhöhen Migrationsdruck
Pope warnte zugleich vor verheerenden Folgen sinkender Hilfszahlungen. Wenn Menschen in ihrer Heimat keine Sicherheit oder Arbeitsplätze fänden, ihre Häuser durch klimawandelbedingte Extremwetter zerstört würden und das Land sie nicht mehr ernähren könne, würden sie auswandern. Durch massive Kürzungen bei humanitärer Hilfe und Entwicklungsfinanzierung verschärfe sich jedoch die Lage in vielen Ländern weiter, was „langfristig zu einem erhöhten Migrationsdruck“ führen werde.
Auch die Arbeit der IOM sei stark von Kürzungen betroffen, sagte Pope. Besonders besorgniserregend sei derzeit die Lage im Sudan: „Mehr als fünf Millionen Sudanesen sind zuletzt in ihre Heimat zurückgekehrt“, während rund 8,6 Millionen Menschen weiterhin vertreiben seien. Viele Menschen kehrten jedoch in zerstörte Häuser zurück, ohne Strom und sauberes Trinkwasser. Die schwindenden Gelder bedeuteten für den Sudan, „dass wir keine neuen Unterkünfte bereitstellen können“, sagte Pope. Es brauche aber Finanzmittel, „damit die Menschen dort bleiben und den Wiederaufbau vorantreiben können, anstatt für immer auf humanitäre Hilfe angewiesen zu sein.“
Gefährlichere Fluchtrouten und mehr Profit für Schleuser
Verschärfte Kontrollen an den EU-Außengrenzen allein führten dagegen dazu, dass immer mehr Menschen auf gefährlichere Routen auswichen und Schleuser höhere Preise verlangten. „Infolgedessen steigt die Zahl der Todesfälle, und der Menschenschmuggel wird immer profitabler“, warnte Pope.




