Hurrelmann: Junge Generation in Deutschland unzufrieden

Hurrelmann: Junge Generation in Deutschland unzufrieden
Am 31. Oktober will eine Initiative die in Frankreich als Schülerprotest gestartete Bewegung auf die deutschen Straßen bringen. Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht viele Parallelen.
23.10.2026
epd
epd-Gespräch: Lukas Philippi

Berlin (epd). Der Jugend- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann sieht auch in Deutschland bei der jungen Generation eine große Unzufriedenheit und Verunsicherung. „Es war klar, dass der Funke hierher überspringen könnte“, sagte Hurrelmann in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf die Jugendproteste in Frankreich. „Wenn wir nur die Schülerproteste nehmen und die Gründe für die Proteste, dann haben wir eine ganze Menge Parallelen zu Deutschland.“ In Frankreich hätten sich dann aber noch viele andere daran beteiligt.

„Wir haben auch hier eine junge Generation, die nicht zufrieden ist mit ihrer Situation“, sagte der Senior Professor an der Hertie School. Zwar werde in Deutschland bislang die Bildungssituation von der jungen Generation nicht so stark thematisiert. Aber alle anderen Kritikpunkte gebe es auch hier: „Die Ausgangssituation ist grundsätzlich gleich.“

Demografische Minderheit

Es gebe „das Gefühl, dass die Politik alle möglichen Themen behandelt, aber nicht die, die für die junge Generation von Bedeutung sind“, sagte Hurrelmann weiter. Es bestehe der Eindruck, „dass man als demografische Minderheit keinen großen Einfluss auf politische Entscheidungen hat“.

Bedeutend für junge Menschen sei „das Aufwachsen in Krisen mit unberechenbaren und unsicheren Perspektiven“, sagte der 82-Jährige. Zur Klimakrise seien der Ukraine- und der Gaza-Krieg sowie Wirtschaftskrisen hinzugekommen. Die digitale Transformation vernebele ganze Berufsperspektiven.

„Es ist eine Krisengeneration“

Hurrelmann betonte: „Sie spüren, dass der politische Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft und zwischen den Parteien brüchig ist.“ Die Regierungsparteien sprächen nach dem Gefühl der jungen Leute deren Themen nicht an. Deshalb würden sie auf die Flügel nach rechts zur AfD sowie zur Linkspartei ausweichen: „Es ist eine Krisengeneration.“ In vielen Lebensbereichen gebe es keine sichere Perspektive und Planungsgrundlage.

Hurrelmann sagte, er gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die für den 31. Oktober in mehr als 20 deutschen Städten angekündigten Proteste der „Generation Z“ friedlich bleiben. Es bestehe aber die Gefahr, dass sich daran Gruppen hängten, die „nur Interesse an Irritationen und Gewalt haben“.

„Wir haben in Deutschland mit Fridays for Future erlebt, dass der Protest, der sich aus einer Krisenerfahrung heraus speiste, äußerst konstruktiv, sehr engagiert, intensiv und diszipliniert verlief“, sagte er. Je diffuser die Zielvorstellung, desto größer sei die Gefahr, dass der neue Jugendprotest keine konstruktiven Ausdrucksformen finde.