Studenten unter Leistungsdruck, Armut und Einsamkeit

Studentin sitzt mit sorgenvoller Geste in der Bibliothek beim Lernen.
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Viele Studenten leiden unter Leistungsdruck, Armut und Einsamkeit. Bei der studentischen Telefonseelsorge in Hamburg finden sie ein offenes Ohr.
Studentische Telefonseelsorge
Studenten unter Leistungsdruck, Armut und Einsamkeit
Seit 50 Jahren hat sie ein offenes Ohr: Die Studentische Telefonseelsorge (Stuts) des Evangelischen Studierendenwerks Hamburg. Die Studierenden, die sich dort ehrenamtlich engagieren, sind täglich von 20 bis 24 Uhr zu erreichen.

Jeden Abend sind die Leitungen der studentischen Telefonseelsorge in Hamburg geöffnet. Unter der Nummer 040/41170411 sind die Ehrenamtlichen der Studentischen Telefonseelsorge (Stuts) des Evangelischen Studierendenwerks Hamburg zu erreichen. Anrufen können alle, die Studierenden hören zu.

"Seelsorge ist keine Therapie und keine Beratung. Das heißt, wir begleiten Menschen, die hier anrufen, nicht über einen längeren Zeitraum. Jeder Anruf ist an sich ein einmaliger Kontakt", sagt Gisela Groß-Ikkache, Pastorin und Leiterin der studentischen Seelsorge. Trotzdem gebe es Menschen, die immer wieder anrufen.

Ein wichtiger Grundsatz in der telefonischen Seelsorge ist die Anonymität - sowohl für die Anrufenden, als auch für die Studierenden, die ans Telefon gehen. "Es geht in erster Linie darum, da zu sein und zuzuhören. Und offen zu sein, dass mit auszuhalten, was diejenigen, die hier anrufen, bewegt", sagt die Pastorin.

Psychologisch-theologische Ausbildung

Das kann mitunter auch anstrengend werden, wie eine ehrenamtliche Zuhöhrerin erzählt. "Alle Anrufe sind so unterschiedlich und wie man damit umgeht, kommt auch auf die eigene Verfassung an. Das kann schon herausfordernd sein, wenn zum Beispiel Menschen mit Suizidgedanken anrufen", sagt die Studentin, die anonym bleiben möchte.

Deshalb gehört zur ehrenamtlichen Arbeit beim Stuts eine umfassende Ausbildung über zwei Semester. Dort bekommen die Studierenden psychologischen und theologischen Input. Um bei der Stuts aktiv zu sein oder anzurufen, muss aber niemand religiös sein. Es gehe ums Zuhören "ohne dass andere Menschen eine besondere Voraussetzung erfüllen müssen", erklärt Pastorin Groß-Ikkache. "Und als Theologin finde ich die Idee der vorbehaltlosen Annahme des Menschen sehr schön."

Der Druck steigt

Innerhalb von 50 Jahren hat sich aber auch so einiges verändert. "Ich glaube, dass die Anforderungen für Studierende heute noch mal größer sind. Die Studienzeiten sind sehr verkürzt, es wird sehr leistungsorientiert studiert", sagt die Pastorin. Groß-Ikkache nimmt wahr, dass Seelsorgende und Anrufende unter mehr Druck stehen. Social Media und permanentes Vergleichen spiele ebenfalls eine Rolle. "Die Studierenden bewegen sich heute in einer globalisierten und medial sehr vielfältigen Umwelt, wo es ständig darum geht, Entscheidungen zu treffen", sagt die Stuts-Leiterin.

"Es ist auch schwieriger geworden, sich für vier Semester auf ein Ehrenamt einzulassen, gerade weil das Studium schon viele Anforderungen mit sich bringt", erklärt die Theologin. Viele Studierende müssten arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren. Sie könnten sich nicht mehr unbedingt ein Ehrenamt leisten. Wer bei der Stuts aktiv wird, verpflichte sich für vier Semester. Die meisten Seelsorgenden würden länger bleiben.

Einsamkeit und Armut

Social Media, Unistress oder finanzielle Nöte? Welche Themen gerade große Relevanz haben, spiegelt sich in den Gesprächen wider. "Mir fallen in der Seelsorge heute vor allem zwei große Themen auf: Das sind Einsamkeit und Armut", erklärt die anonyme Seelsorgende. "Es rufen sehr viele Menschen an, die kaum soziale Kontakte haben, weil sie einfach aus dem System fallen. Da sieht man auch, wie fragil das alles ist."

Damit umzugehen kann schwierig sein - gerade in Zeiten, in denen die Seelsorgenden selbst unter Stress leiden. Auch darüber werde in der Ausbildung gesprochen. "Ich bin jetzt schon fast drei Jahre bei der Stuts. Und ich würde hier ja nicht bleiben, wenn ich für all die Zeit die ich investiere, nicht auch etwas zurückbekommen würde", sagt die junge Frau.



Die Arbeit bei der Stuts stärke ihre Empathie und lasse sie mit Menschen in Kontakt kommen, mit denen sie in ihrem Alltag nicht viele Berührungspunkte habe: "Das ist eine große Bereicherung. Man schaut einfach anders auf die Welt, nimmt Dinge anders war." Außerdem bilde das Stuts-Team eine schöne Gemeinschaft: "Gerade in der Ausbildung lernt man so viel über sich selbst und andere. Wir arbeiten immer zu zweit, sind füreinander da. Auch unsere Zweifel können wir immer ansprechen."