Salvador da Bahia (epd). Im Endspurt des Wahlkampfs um das brasilianische Präsidentenamt sind Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Herausforderer Flávio Bolsonaro am Sonntagabend (Ortszeit) erstmals in einem TV-Duell aufeinandergetroffen. Themen waren unter anderem Korruption, die öffentliche Sicherheit, das Gesundheitssystem und das Ende der Sechs-Tage-Woche. Am kommenden Sonntag entscheidet Brasilien in einer Stichwahl über den künftigen Präsidenten.
In der live übertragenen Debatte wich Bolsonaro, der Sohn des wegen eines Putschversuchs zu einer Haftstrafe von 27 Jahren verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, den Fragen Lulas aus. Stattdessen brachte der Ultrarechte Anschuldigungen gegen den Amtsinhaber vor. Bolsonaro sprach auf emotionaler Ebene direkt die Zuschauer an und wandte sich etwa an Geringverdiener „in der Favela“, denen er Wohlstand und Sicherheit versprach. Präsident Lula da Silva verwies hingegen auf konkrete Sozialprogramme und auf bisherige Erfolge seiner Regierung.
Ordnungsrufe gegen Bolsonaro
In Sicherheitsfragen kündigte Lula eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Union, Bundesstaaten und Gemeinden an, um Kriminalität effektiver zu bekämpfen. Bolsonaro beschuldigte die Regierung hingegen, nicht für öffentliche Sicherheit zu sorgen. „Deinen zusätzlichen freien Tag wirst du im Bus verbringen und fürchten, überfallen zu werden“, kommentierte er eine künftige Fünf-Tages-Woche.
Beide Kandidaten bezeichneten den jeweils anderen mehrfach als Lügner. Bolsonaro brachte während der Live-Übertragung nachweislich mindestens eine Falschmeldung vor. Die Debattenleitung musste ihn mehrfach zur Ordnung rufen, weil er Lula ins Wort fallen wollte. In der ersten Wahlrunde Anfang Oktober hatte Bolsonaro rund 47 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt, Lula gut 45 Prozent.




