Anwalt: Kein palästinensisches Kind hat volle Rechte

Anwalt: Kein palästinensisches Kind hat volle Rechte
Der Anwalt Khaled Quzmar dokumentiert israelische Verstöße gegen Kinderrechte und vertritt Jugendliche vor Gericht. Für seinen Einsatz wird er mit dem Amnesty-Menschenrechtspreis ausgezeichnet.
19.10.2026
epd
epd-Gespräch: Melina Crispin

Frankfurt a.M., Ramallah (epd). Palästinensische Kinder werden laut dem Juristen Khaled Quzmar ihrer grundlegenden Rechte beraubt. Das Recht auf Leben, Bildung, Freiheit und Gesundheit würden im Gaza-Streifen, Ost-Jerusalem und dem Westjordanland systematisch und kontinuierlich von Israel verletzt, sagte der palästinensische Anwalt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Quzmar wird in diesem Jahr wegen seines Engagements für Mädchen und Jungen mit dem Menschenrechtspreis von Amnesty International Deutschland ausgezeichnet.

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem hat die israelische Armee im besetzten Westjordanland im vergangenen Jahr mindestens 54 palästinensische Kinder getötet. Im Gaza-Streifen starben seit Oktober 2023 demnach mindestens 20.000 Minderjährige. Laut Unicef wurden allein seit Beginn der Feuerpause vor einem Jahr über 340 Mädchen und Jungen in dem Gebiet getötet.

Mindestens 350 Kinder in israelischer Haft

„Der Schaden, den die Kinder durch die israelische Besatzung erleiden, ist unermesslich“, sagte Quzmar. „Kinder in Gaza verlieren ihre Familien, gehen meist nicht zur Schule und werden nicht gesundheitlich versorgt.“ Im Westjordanland würden sie von israelischen Siedlern auf dem Weg zur Schule angegriffen. Der Jurist leitet das Palästinensische Zentrum für Kinderrechte (PCCR) in Ramallah im Westjordanland, das Verbrechen dokumentiert und Kinder bei Gerichtsverfahren unterstützt. „Nach fast 40 Jahren in diesem Bereich kann ich sagen: Kein palästinensisches Kind hat vollen Zugang zu seinen Rechten.“

PCCR kümmere sich auch um Kinder, die in israelischen Gefängnissen seien, sagte der 1964 geborene Jurist. Derzeit seien dies mindestens 350. „Diese Kinder kommen willkürlich und ohne faires Gerichtsverfahren ins Gefängnis.“ Sie kämen in sogenannte Administrativhaft, weil Israel behaupte, sie seien ein Sicherheitsrisiko. Dafür reiche bereits, wenn ein Jugendlicher ein Foto eines Freundes bei Facebook poste, der von den israelischen Soldaten getötet wurde.

Straffreiheit für die Täter

Er habe 25 Jahre lang palästinensische Kinder und Jugendliche vor Militärgerichten im Westjordanland verteidigt, sagte Quzmar. Meist habe er nicht einmal erfahren, weshalb das Kind in Haft sei. Auch die Kinder wüssten es nicht. Im Gefängnis hätten sie nicht ausreichend zu essen und keinen Kontakt zu ihren Familien. Viele seien geschlagen und eingeschüchtert worden, Geständnisse kämen oft unter Folter zustande.

Derweil würden israelische Soldaten oder Siedler für ihre Gewalt gegen palästinensische Kinder nicht zur Rechenschaft gezogen. Israels Regierung lasse die Verbrechen nicht nur zu, sondern gewähre den Tätern auch Straffreiheit.