Camping und Gottesdienst in Worms

Dekanin Jutta Herbert (r.) beim Gottesdienst gemeinsam mit Alexander Bertram (M.) und Safiullah Jabarkhail vor Gottesdienstbesuchern.
Yvonne Schnur
Dekanin Jutta Herbert segnet die Reisenden, die an diesem Morgen zum Gottesdienst gekommen sind.
Segen für Camper und Urlauber
Camping und Gottesdienst in Worms
Viele Christen sind passionierte Camper - warum also nicht einen Gottesdienst feiern, der speziell für die Reisenden gestaltet wird? Für alle, die gern unterwegs sind, hat ein früherer Stellplatzbesitzer in Worms eine Premiere organisiert.

Gottesdienst zwischen Wohnmobilen: Bei strahlendem Herbstwetter haben rund 50 Menschen auf dem Stellplatz am Mondscheinweg den ersten Camper-Gottesdienst in Worms gefeiert. Unter dem Motto "Unterwegs sein – behütet bleiben" ging es um Gemeinschaft, Reiselust, Camping und den Segen für die nächsten Wege. Der besondere Gottesdienst richtete sich an Camperinnen und Camper, die ihren Urlaub mit dem Wohnmobil verbringen oder auf Reisen einen Moment der Ruhe und Besinnung suchen.

Dass der Camper-Gottesdienst erstmals in der Nibelungenstadt stattfand, ist Alexander Bertram zu verdanken. Viele Jahre betrieb er einen Wohnmobilstellplatz an der Nordsee und lud dort bereits zu neun Segensgottesdiensten für Camper ein. Inzwischen ist Bertram nach Worms zurückgekehrt und zur "guten Seele" des Stellplatzes am Mondscheinweg geworden. Seine Idee, auch dort einen Gottesdienst für Campingfreunde zu feiern, stieß bei Dekanin Jutta Herbert auf offene Ohren. Sie selbst ist passionierte Camperin.

So wurde Bertrams zehnter Segensgottesdienst zugleich zur Wormser Premiere. Neben Herbert und Bertram wirkte Safiullah Jabarkhail an der Gestaltung mit. Für die musikalische Begleitung sorgten Thorsten Mühlberger am Piano und Katrin Birkenstock mit Gesang. Herbert und Bertram hoffen nun, dass aus dem ersten Camper-Gottesdienst eine regelmäßige Gottesdienstreihe für Wohnmobilreisende und Campinggäste wird.

Wenn der Urlaub anders verläuft als geplant

In ihrer Predigt griff Herbert eine Erfahrung auf, die viele Menschen aus dem Urlaub und vom Reisen mit dem Wohnmobil kennen: Die Route ist geplant, das Navi weist den Weg und plötzlich zwingt eine Umleitung dazu, die Pläne zu ändern. "Das Leben ist manchmal genauso", schlug die Dekanin den Bogen vom Unterwegssein zum Alltag. Nicht alles lasse sich planen oder kontrollieren. "Wir dürfen planen. Aber wir müssen nicht alles im Griff haben."

Ausgehend von der biblischen Geschichte von Jesus und seinen Jüngern im Sturm sprach Herbert darüber, was es bedeuten kann, auch auf schwierigen Wegstrecken auf Gottes Begleitung zu vertrauen. Glaube sei keine Garantie dafür, dass eine Reise oder das Leben immer reibungslos verlaufe: "Gott ist nicht derjenige, der uns verspricht, dass auf jeder Straße alles glattläuft. Aber Gott verspricht: Ich gehe mit."

Manchmal zeige sich diese Begleitung gerade in anderen Menschen, die zuhören, helfen oder ein Stück des Weges mitgehen. Damit passte die Botschaft auch zum Gedanken des Campingurlaubs: Unterwegs sein bedeutet nicht nur, neue Orte zu entdecken, sondern auch Gemeinschaft zu erleben und offen für Begegnungen zu bleiben.

Mit dem Wohnmobil von Hamburg nach Worms

Dass der Camper-Gottesdienst Menschen weit über Worms hinaus anzieht, zeigte sich an einigen der Gäste. Klaus und Christiane Rotehüser waren eigens aus Hamburg angereist. Die beiden Rentner hatten keinen der von Bertram initiierten Gottesdienste für Camper an der Nordsee verpasst und machten sich nun auch zur Wormser Premiere auf den Weg. "Einen Segen kann man doch immer brauchen", erklärten sie ihre Motivation für die weite Reise. Auch beim nächsten Gottesdienst wollen sie wieder dabei sein.

Ein Paar aus Kassel legte auf der Rückreise aus Südtirol einen Zwischenstopp in Worms ein. Die beiden zeigten sich ebenfalls begeistert von der Verbindung aus Camping, Urlaub und Gottesdienst. Sie schwärmten von der "außergewöhnlichen Stimmung auf dem Platz" und dem "ganz besonderen Gottesdienstangebot". Ein solches Angebot finde man nicht oft.

Persönlicher Segen für Camper

Zum Höhepunkt des Gottesdienstes wurde die persönliche Segnung der Camperinnen und Camper. Direkt an ihren Wohnmobilen empfingen sie mit Handauflegung den Segen für ihre weiteren Wege. Auch Gäste ohne eigenes Fahrzeug konnten sich segnen lassen.

Herbert bat dabei um Bewahrung vor Unfall und Gefahr, um "offene Augen für die Schönheit am Wegesrand" und offene Herzen für die Menschen, die einem unterwegs begegnen. Damit wurde der Segen zu einem besonderen Moment für viele der Campinggäste, die ihren Urlaub oder ihre Reise in Worms unterbrechen wollten.

Ein Gedanke zog sich durch den gesamten Gottesdienst: Unterwegssein bedeutet nicht nur, neue Orte zu erreichen. Es bedeutet auch, Menschen zu begegnen, Gemeinschaft zu erfahren und einander zu helfen. Oder, wie Herbert in ihrer Predigt sagte: "Das Schönste am Unterwegssein sind oft gar nicht die Orte, die man erreicht. Es sind die Menschen, die man unterwegs trifft."

Nach der gelungenen Premiere soll es deshalb nach dem Wunsch von Herbert und Bertram nicht bei diesem einen Gottesdienst bleiben. Bertrams zehnter Camper-Gottesdienst könnte damit zugleich der erste einer neuen Wormser Tradition sein. Für Campingfreunde, Wohnmobilreisende und Urlauber wäre damit auch künftig ein besonderer Ort für Begegnung, Besinnung und Segen geschaffen.