Äthiopien nimmt Hauptstadt der Konfliktregion Tigray ein

Äthiopien nimmt Hauptstadt der Konfliktregion Tigray ein
Im Norden Äthiopiens flammt der Krieg zwischen der Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray wieder auf. Eine Rolle spielt dabei auch das Nachbarland Eritrea. Nun hat die Armee die Regionalhauptstadt von Tigray eingenommen.

Nairobi, Addis Abeba (epd). Die äthiopische Armee und verbündete Milizen haben Mekelle, die Hauptstadt der Region Tigray im Norden des Landes, unter ihre Kontrolle gebracht. Wie unter anderem das Portal "Chimpreports” berichtete, konnte die Armee am Samstag von Süden nach Mekelle vorrücken. Die Regionalregierung und die Truppen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hatten sich bereits aus der Stadt zurückgezogen. Vor zehn Tagen hatten Kämpfe zwischen der TPLF und der Armee wieder begonnen.

Lokalen Berichten zufolge stellten die Armee und die verbündeten Milizen am Sonntag die zuvor gekappte Telefon- und Internetverbindung in Mekelle wieder her. Nach Angaben der mit der Armee verbündeten Tigray Friedenstruppe (TDF) zufolge rückt die Armee weiter nach Norden vor in Richtung der Stadt Adigrat. Die Region Tigray grenzt im Norden an Eritrea. Im blutigen Krieg von 2020 bis 2022 kämpfte Eritrea an der Seite der äthiopischen Armee. Nun unterstützt Eritrea die TPLF und ihre Allianz mit anderen bewaffneten Oppositionsgruppen in Äthiopien, die den Sturz der Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed zum Ziel hat.

Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea

Die diplomatischen Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea sind deshalb in der vergangenen Woche eskaliert. Am Donnerstagabend veröffentlichte das äthiopische Außenministerium ein Statement, das Eritrea direkte und indirekte feindliche Handlungen vorwarf und die Schließung der Botschaften erklärte. Eritrea warf Äthiopien im Gegenzug vor, seit drei Jahren die Souveränität des kleinen Landes am Horn von Afrika anzugreifen, um einen Meerzugang zu bekommen. Eritrea stelle nun alle diplomatische Beziehungen mit Äthiopien ein.

Die Afrikanische Union äußerte sich besorgt. Sie rief zu Zurückhaltung auf und mahnte zu friedlichem Dialog. Der Tigray-Krieg von 2020 bis 2022 hatte Hunderttausenden Menschen das Leben gekostet. „Ärzte ohne Grenzen“ meldete, dass nach neuen Kämpfen wieder Hunderte Verletzte in Krankenhäuser der Region gebracht worden seien.