Copernicus: Sommer in Europa von Klimaextremen geprägt

Copernicus: Sommer in Europa von Klimaextremen geprägt
In Deutschland war es dieses Jahr besonders heiß und trocken. Daten des EU-Dienstes Copernicus zeigen nun: Es war für ganz Europa ein Sommer mit "sich überschneidenden Klimaextremen".
02.10.2026
epd
Von Melina Crispin und Moritz Elliesen (epd)

Bonn (epd). Hitze, Waldbrände und niedrige Wasserstände: Ganz Europa war in diesem Jahr laut dem EU-Dienst Copernicus von Klimaextremen betroffen. Westeuropa durchlebte demnach den heißesten jemals gemessenen Sommer. Die sommerliche Durchschnittstemperatur habe in der Region bei 21,7 Grad Celsius gelegen und damit 2,5 Grad über dem Vergleichswert der Jahre 1991 bis 2020, teilte Copernicus am Freitag in Bonn mit. Der bisherige Rekord aus dem Sommer 2003 sei damit übertroffen worden.

Bezogen auf den ganzen Kontinent sei der Sommer 2026 der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Der meteorologische Sommer umfasst die Monate Juni, Juli und August. Für Westeuropa hoben die Copernicus-Fachleute hervor, dass die außergewöhnliche Wärme weit über die Kernmonate des Sommers hinaus angehalten habe. Auch im Mai und September seien „rekordhohe Tagestemperaturen“ gemessen worden.

Starker Hitzestress in ganz Europa

Vor allem Hitze machte laut Copernicus den Menschen in Europa zu schaffen. Etwas mehr als die Hälfte des Kontinents (52 Prozent) habe sehr starken Hitzestress erlebt, also eine gefühlte Temperatur von 38 Grad Celsius oder mehr. Für Westeuropa sei im Durchschnitt die Rekordzahl von 13 Tagen mit sehr starkem Hitzestress festgestellt worden, hieß es. An durchschnittlich 41 Tagen sei starker Hitzestress aufgetreten, was gefühlten Temperaturen von 32 bis 38 Grad entspricht - ebenfalls ein Rekord.

Samantha Burgess, Strategieleiterin für Klima beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage, sprach von einem „Sommer mit sich überschneidenden Klimaextremen“. Mit Blick auf die Folgen, etwa für die Verfügbarkeit von Wasser oder für die Gesundheit, mahnte Burgess an, „Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmend miteinander verknüpften Klimarisiken aufzubauen“.

Niedrigwasser und massive Waldbrände

Angesichts der Trockenheit wurden laut Copernicus auch die stärksten Niedrigwasserstände in Europa seit Beginn der Erfassung im Jahr 1992 festgestellt. Im Juli und August seien an vielen großen europäischen Flüssen gleichzeitig „Rekord- oder Beinahe-Rekordtiefstände“ aufgetreten, darunter im Rhein, der Donau und der Seine. Diese führten laut dem Bericht zu Lieferschwierigkeiten im Güterverkehr und wirkten sich zudem auf die Kühlung von Kernreaktoren aus. Auch die Wasserkraftgewinnung und die Verfügbarkeit von Süßwasser seien betroffen gewesen.

Die anhaltende Trockenheit und Hitzewellen trugen laut Copernicus auch zu starken Waldbränden bei. Die verbrannte Fläche in der EU sei bis zum 2. September fast doppelt so groß gewesen wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025. Vor allem in Spanien und Frankreich seien die Brände verheerend gewesen. Durch die dadurch verursachten Emissionen seien Millionen von Menschen einer gesundheitsgefährdenden Luftverschmutzung ausgesetzt gewesen.

16.000 Hitzetote in Deutschland

Die Copernicus-Fachleute äußerten sich ebenfalls besorgt über die hohen Meerestemperaturen. An der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer seien Rekordwerte oder Beinahe-Rekordwerte bei den Meeresoberflächentemperaturen gemessen worden.

Europa erwärmt sich infolge des Klimawandels von allen Kontinenten am schnellsten. Infolge der Erderwärmung werden Wetterextreme wie Hitzewellen und Dürren wahrscheinlicher, und ihre Intensität nimmt zu. Auch in Deutschland war der Sommer von mehreren Hitzewellen geprägt. Laut Robert Koch-Institut starben schätzungsweise rund 16.000 Menschen im Zusammenhang mit der Hitze.