Stolperstein-Stiftung empört nach Stoppbeschluss in Heidenau

Stolperstein-Stiftung empört nach Stoppbeschluss in Heidenau
Im sächsischen Heidenau sollen keine Stolpersteine mehr verlegt werden. Die Initiatoren im Stadtrat argumentierten, viele Kommunen sähen das Projekt von Gunter Demnig kritisch. Dessen Stiftung nennt das "völlig irre".
25.09.2026
epd
epd-Gespräch: Jens Büttner

Köln, Heidenau (epd). Die Stolperstein-Stiftung hat mit Empörung auf den Beschluss des Stadtrates im sächsischen Heidenau reagiert, keine der pflastersteingroßen Mahnmale für NS-Opfer mehr verlegen zu lassen. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zeigte sich die Geschäftsführerin und pädagogische Beraterin der „Stiftung - Spuren - Gunter Demnig“ vor allem befremdet über die Argumentation der Befürworter des Beschlusses. Die Behauptung, dass viele Kommunen das Stolperstein-Projekt kritisch sähen, sei „völlig irre“, sagte Katja Demnig dem epd.

Die Ehefrau des Kölners Künstlers Gunter Demnig verwies darauf, dass ihre Stiftung europaweit mit 3.200 Kommunen zusammenarbeite. „Nur fünf davon haben sich gegen eine Verlegung entschieden“, sagte sie. Gunter Demnig ist Initiator der 1995 begonnenen Verlegung von Stolpersteinen.

Münchner Fall anders gelagert

Zwar dürften auch in München keine Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegt werden, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung. Die Genese und die Begründung seien dort aber eine gänzlich andere. So seien auch Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinde gegen diese Form der Erinnerung gewesen. „Noch nirgendwo aber sind Stolpersteine verlegt und die Verlegung dann gestoppt worden“, sagte Katja Demnig. Dies sei die Besonderheit an dem Stadtratsbeschluss vom Donnerstagabend im sächsischen Heidenau.

Geschichte im Alltag erleben

Die Geschäftsführerin sagte, ihre Stiftung habe nichts gegen andere Erinnerungsformen. Dass das Gedenken an NS-Opfer in Heidenau nun aber auf den Friedhof ausgelagert werden soll, nannte sie hochproblematisch: „Menschen und NS-Opfer werden abermals aus dem Stadtbild herausgedrängt.“ Friedhofsbesuche seien selten. Das Positive der Stolpersteine sei gerade, dass Menschen im Alltag mit Geschichte und den Schicksalen der Opfer konfrontiert werden: „Man wird auf Geschichte aufmerksam gemacht, wo es tatsächlich passiert ist.“

Katja Demnig wies zudem darauf hin, dass der Heidenauer Nordfriedhof ein christlicher Friedhof sei. Es müsse dabei auch die Frage gestellt werden, ob alle Angehörigen jüdischer NS-Opfer tatsächlich wollten, dass dort an ihre Angehörigen erinnert werde. Nach Angaben von Katja Demnig wurden seit den 1990er Jahren europaweit knapp 128.000 Stolpersteine in 3.200 Kommunen verlegt.