Münster, Osnabrück (epd). Forscher der Universität Münster sehen große Versäumnisse im Umgang der Bistumsleitungen in Osnabrück und Münster mit geistlichem Missbrauch in zwei Geistlichen Gemeinschaften. Dies ergibt eine am Freitag vorgestellte Studie von katholischen Theologen der Uni Münster zu zwei Vereinigungen, deren Mitglieder in sektenähnlicher Weise über Jahre hinweg manipuliert, indoktriniert und unter Druck gesetzt worden seien, darunter auch Kinder und Jugendliche. Der Studie zufolge haben die Leitungen der beiden katholischen Bistümer Hinweise zu lange nicht ernst genommen und Betroffene nicht geschützt.
Im Fokus des 2023 begonnenen Forschungsprojekts „Geistlicher Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften“ stand zum einen die kirchenrechtlich nie anerkannte „Christusgemeinschaft“. Sie wurde Mitte der 1970er Jahre von einer Franziskanerin im Emsland gegründet und war bis die 2010er Jahre hinein eine prägende Kraft im Bistum Osnabrück. Untersucht wurde zum anderen die Anfang der 1990er Jahre entstandene Gemeinschaft „Totus Tuus Neuevangelisierung“ im Bistum Münster. Sie wurde 2004 kirchlich anerkannt, jedoch nach Beschwerden 2021 vom damaligen Bischof Felix Genn verboten.
Interviews mit Betroffenen
Die Studie fußt den Angaben zufolge auf 81 Interviews mit Betroffenen, 33 Interviews mit Wissens- und Verantwortungsträgern sowie auf der Auswertung kirchlicher Akten. Die Folgen des geistlichen Missbrauchs seien so schwerwiegend wie beim sexuellen Missbrauch, erläuterte die Leiterin der Studie, die Theologieprofessorin Judith Könemann.
Sie reichten von Schwierigkeiten, zurück zu einer eigenständigen Lebensgestaltung zu finden, über den Verlust des sozialen Umfeldes bis hin zu körperlichen und schweren psychischen Beeinträchtigungen. Die Bistumsleitungen hätten lange nicht durchgegriffen, auch aus Sorge, die geistlichen Aufbrüche der Gemeinschaften zu behindern.
Am 5. Oktober wollen der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Bischof von Münster, Heiner Wilmer, sowie der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier und die Generaloberin der Thuiner Franziskanerinnen, Maria Cordis Reiker, ausführlich öffentlich auf die Ergebnisse reagieren.




