Schwerin (epd). Der Greifswalder Bischof Tilman Jeremias zeigt sich nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erleichtert. „Es ist eine beruhigende Botschaft, dass mit einer rot-rot-grünen Mehrheit eine stabile demokratische Regierung möglich ist“, sagte der evangelische Bischof dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Zugleich sei er erschüttert über das hohe Wahlergebnis der AfD und den Absturz der CDU, die die Landespolitik viele Jahrzehnte mitprägte. Die AfD wurde mit 38,2 Prozent stärkste Kraft, die SPD erhielt 35,5 Prozent während die CDU mit 4,9 Prozent den Einzug in den Landtag verpasste.
Rauer Ton in Kommunalvertretungen
Es sei jetzt wichtig, die weiterhin bestehende Polarisierung im Land anzugehen, fügte Jeremias hinzu. Der Ton in der Gesellschaft und in den Kommunalvertretungen sei schon länger sehr rau und aggressiv. „Das ist erschreckend. Aber ich habe die Hoffnung, dass unsere Demokratie in MV das aushält.“
Längst nicht alle AfD-Wähler hätten eine rechtsextreme Gesinnung, sondern sie fühlten sich von der Bundespolitik mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Reformen seien in vielen Bereichen notwendig. „Aber wenn Bundespolitiker von oben herab regieren und sagen, die Bürger seien faul und müssten mehr arbeiten, ist das Gift“, sagte Jeremias.
Unzufriedenheit Raum geben
Dieser hohen Unzufriedenheit der Menschen müsste auch die Kirche mehr Raum geben. Kampagnen seien da kein Weg. „Wir müssen offen mit den Menschen reden, die sich von der Politik abgehängt fühlen“, findet der Bischof.
Viele Menschen lebten allein und isoliert. Kirche müsse da noch mehr Gemeinschaft anbieten. „Wir brauchen mehr offene Angebote in Kirchen und Gemeindezentren, zu denen alle Menschen eingeladen sind. Vielleicht schaffen wir es dann, dass einige AfD-Wähler bei der nächsten Wahl ihr Kreuz bei einer anderen Partei machen“, sagte der Bischof. Jeremias ist seit 2019 Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.



