Tropenmediziner: Malaria-Ausbreitung in Deutschland unwahrscheinlich

Tropenmediziner: Malaria-Ausbreitung in Deutschland unwahrscheinlich
Michael Hoelscher empfiehlt Insektenspray in Flugzeugen
In Frankfurt ist am Donnerstag ein Mensch an Malaria gestorben. Infiziert wurde er wohl durch eine im Flugzeug mitgereiste Mücke. Ein Risiko, dass sich die Krankheit in Deutschland weiter ausbreitet, besteht laut dem Tropenmediziner Hoelscher nicht.
18.09.2026
epd
epd-Gespräch: Christine Ulrich (epd)

München, Frankfurt (epd). Eine weitere Ausbreitung von Malaria in Deutschland hält der Münchner Tropenmediziner Michael Hoelscher für „extrem unwahrscheinlich“. Das gäben die äußeren Bedingungen nicht her, sagte der Professor, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München das Institut für Infektions- und Tropenmedizin leitet, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Bestimmte Prophylaxe-Maßnahmen hält er jedoch für sinnvoll.

In Frankfurt am Main war am Donnerstag einer von zwei mit Malaria infizierten Menschen gestorben. Die beiden Personen stammen aus dem Stadtteil Schwanheim, der vier bis fünf Kilometer vom Frankfurter Flughafen entfernt liegt. Bereits im Juli und August waren sechs Menschen, die am Frankfurter Flughafen arbeiteten, an Malaria erkrankt. Zwei von ihnen starben.

Hoelscher hält es für „die einzige logische Erklärung“, dass in diesen Fällen die Überträgermücke im Flugzeug mitgereist ist, wie auch die Behörden vermuten. Es gebe die „Flughafen-Malaria“, bei der Mücken in die Passagierkabine gelangen, und die „Koffer-Malaria“, bei der sie in Gepäckstücken stecken. In Deutschland seien bislang nur wenige Fälle dokumentiert worden.

Im Warmen kann die Mücke einige Wochen leben

Eine weitere Ausbreitung sei trotz Klimawandel unwahrscheinlich, weil der Übertragungskreislauf komplex sei, so der Experte. Eine weibliche Anopheles-Mücke lebe zwei bis vier Wochen. Um den Malaria-Erreger zu bekommen, müsse sie jemanden stechen, der bereits infiziert ist. Die Parasiten benötigten dann 10 bis 18 Tage, um in der Mücke zu reifen: „Sie hat also nur wenige Tage Zeit, um mit ihrem Stich jemanden anzustecken.“

Im Kalten überlebt die Mücke laut dem Professor nicht lange, bei warmen Temperaturen jedoch könne sie sich noch ein paar Wochen „wohlfühlen“. Fliegen könne sie etwa zwei Kilometer weit, passende Winde könnten sie jedoch weiter tragen.

Auf Flügen einmal durchsprühen

Verhindern ließen sich Übertragungsszenarien wie in Frankfurt etwa, indem Fluggesellschaften die Passagierkabine mit Insektizid behandeln, sagte Hoelscher. Dazu müsse auf jedem Flug aus tropischen Ländern einmal durchgesprüht werden. Etwa bei der Lufthansa-Tochter Swiss werde dies bereits auf einigen internationalen Strecken gemacht.

Wichtig sei zudem, „dass Hausärzte wieder an Malaria denken, wenn Menschen hohes Fieber bekommen“, so der Mediziner. Werde die Krankheit rechtzeitig diagnostiziert, sei sie gut behandelbar: „Keiner muss daran sterben.“ Es gelte, Risikogruppen zu bestimmen, etwa Flughafen-Mitarbeitende. Diese sollten künftig bei Fieber lieber gleich zum Arzt gehen.