Magdeburg (epd). Mit Blick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen-Anhalt machen sich Kirchengemeinden Gedanken über den künftigen Schutz von betroffenen Migranten. „Kirchenasyl ist Teil unseres Rechts“, sagte der mitteldeutsche Regionalbischof Johann Schneider am Dienstag in Magdeburg. Unabhängig von politischen Differenzen hätten demokratische Parteien diesen christlich-humanitären Auftrag zum Kirchenasyl respektiert.
Hingegen erklärte die AfD in ihrem Programm, sie wolle das „Kirchenasyl in Sachsen-Anhalt unterbinden“. Eine AfD-geführte Landesregierung wolle „alle Kirchenasylanten schnellstmöglich“ abschieben. Zudem werde die Partei prüfen, „ob die verantwortlichen Kirchengemeinden“ für mögliche Kosten „in die finanzielle Verantwortung genommen“ werden könnten. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war die AfD mit 43,8 Prozent stärkste politische Kraft geworden.
Kirche will weiter schutzbedürftigen Menschen helfen
Das Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) teilte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit: „Konkrete Schritte zur Änderung der bisherigen Praxis wurden aufgrund des unklaren Regierungsbildungsprozesses bislang nicht vorgenommen. Wie bisher entscheiden die einzelnen Kirchengemeinden über Aufnahme, Durchführung und Beendigung eines Kirchenasyls.“
Regionalbischof Schneider ergänzte: „Wir werden Lösungen finden für jene Menschen, die gefährdet sind.“ In jedem Fall werde man zunächst widersprechen, denn „das Recht gilt auch für die Regierung“, sagte er. Maßgeblich bleibe „der kirchliche Auftrag, Menschen in existenziellen Notlagen Schutz zu gewähren“. Deshalb werden die mitteldeutsche Kirche sich auch weiterhin für besonders schutzbedürftige Menschen einsetzen. Die EKM umfasst Teile von Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Brandenburg.




