Magdeburg (epd). Im Falle einer Regierungsbeteiligung der AfD erwarten Kirchen und Sozialverbände in Sachsen-Anhalt den Wegzug zahlreicher Menschen mit Migrationsgeschichte. „Wenn das Land nicht mehr weltoffen ist, dann bekommen wir einen Kollaps in der Pflege“, sagte die Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Barbara Höckmann, am Dienstag in Magdeburg. In einzelnen AWO-Einrichtungen seien 25 Prozent der Mitarbeitenden Migranten, beim aktuellen Ausbildungslehrgang in der Pflege sogar rund 40 Prozent.
Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Christoph Stolte, sagte: „Wir stehen an der Seite der Menschen, die sich große Sorgen machen.“ Die Ankündigungen der AfD ließen „eine Erosion des Gemeinwesens“ befürchten, etwa durch die Zurückdrängung von Inklusion statt Teilhabe. Der evangelische Regionalbischof Johann Schneider sagte, auch die Kirche spüre diesen Druck: „Doch wir bleiben hier!“ Und man werde den Leidenden helfen.
Migranten werden zu Sündenböcken gemacht
Die Geschäftsführerin des Migranten-Netzwerkers Lamsa, Undra Dreßler, sagte, „wenn Migration immer wieder mit Kriminalität, Überforderung der Politik“ und anderen Missständen verbunden werde, „dann verschiebt sich etwas“ zum Negativen. Vielfach würden Migranten zu Sündenböcken gemacht. So habe der Alltagsrassismus zugenommen, sagte Dreßler.
Seit dem Wahlabend sei deshalb die Zahl besorgter Anfragen von Migranten beim Landesnetzwerk stark angestiegen. Es gehe oft um Aufenthaltsstatus, Sicherheit und Zukunftsperspektiven. Dieser „Rassismus macht keinen Unterschied, ob man Arzt ist oder nicht“, sagte Dreßler.
Bei der Landtagswahl am 6. September hatte die AfD 43,8 Prozent der Stimmen erhalten. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei wurde mit Abstand stärkste Kraft. Wie die künftige Landesregierung aussehen könnte, ist noch offen.



