Berlin (epd). Die evangelische Kirche sorgt sich um den Erhalt von Berlins kirchlichen Erinnerungs- und Gedenkorten für NS-Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus. Es gebe viele solcher Erinnerungsorte, bei denen sich die drängende Frage stelle, „was wir dort tun können“, sagte die Berliner Generalsuperintendentin Julia Helmke dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dazu gehörten unter anderem die Gedenkkirche Plötzensee und das Bonhoeffer-Haus.
Erinnerung an die Bedeutung von Zivilcourage und Glaubensstärke sei wichtig, sagte die 57-jährige Theologin, die in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vor allem für Berlin zuständig ist. „Das ist kein rein kirchliches, sondern ein gesellschaftliches Thema“, sagte sie. Deshalb würden auch öffentliche Mittel dafür benötigt. Anliegen sei, „bestehende Orte von Erinnerungskultur zu erhalten und als Teil dieser Stadt zu verstehen“.
Nur „eingeschränkt finanzielle Ressourcen“
Bei der Gedenkkirche Plötzensee mit dem „Totentanz“ des Künstlers Alfred Hrdlicka, die an die Opfer der NS-Justiz im ehemaligen Strafgefängnis Plötzensee erinnert, stehe die Gemeinde vor der Frage, wie sie dies „personell und finanziell noch leisten kann“, sagte Helmke. Das Bonhoeffer-Haus in Westend, das der Familie des von den Nationalsozialisten ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer gehörte, leiste „ganz wunderbare demokratische Bildungsarbeit“. Dafür gebe es jedoch nur „eingeschränkt finanzielle Ressourcen“.
Auf weniger bekannte Menschen hinweisen
Anliegen der Kirche sei auch, auf weniger bekannte Menschen hinzuweisen, sagte die Theologin. Dafür seien sichtbare Orte nötig. Dazu gehöre die Erinnerung an Pfarrer Eitel-Friedrich von Rabenau, „einen couragierten Vertreter der Bekennenden Kirche in der Apostel-Paulus-Kirche“ in Schöneberg. Auch der religiöse Sozialist und Pfarrer Arnold Rackwitz zähle dazu. Er habe sich in Neukölln über Jahrzehnte besonders für die Arbeiter, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer eingesetzt und sei „ein Vorbild an Integrität im Nationalsozialismus“ gewesen.
Das Lutherdenkmal von 1895 an der Marienkirche und dessen Umgebung würden in der Kirche hingegen vor allem „als städtebauliches und stadtgeschichtliches Thema“ gesehen, sagte Helmke: „Solange der Entwurf für die Gestaltung der Umgebung des Lutherdenkmals das Andenken an den Reformator Martin Luther nicht verfremdet, sehen wir uns hier nicht in der Pflicht, in die Diskussion einzusteigen.“ Das Land Berlin will für die Gestaltung bis zu 3,9 Millionen Euro bereitstellen.



