Santiago de Chile (epd). Zehntausende Menschen haben in Chile am Freitag (Ortszeit) an die Opfer des Militärputsches vom 11. September 1973 erinnert. In der Hauptstadt Santiago versammelten sich beim Nationalstadion laut der Gedenkstätte vor Ort rund 20.000 Personen. Das größte Sportstadion des Landes wurde in den ersten Monaten der Militärdiktatur als Gefangenenlager genutzt. Zum ersten Mal seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1990 gab es keinen offiziellen Staatsakt.
Der ultrarechte Präsident José Antonio Kast äußerte sich laut dem Radiosender Cooperativa auf Nachfrage bei einer symbolischen Übergabe von staatlichen Fördergeldern für kinderreiche Familien. Er könne von seinen Landsleuten „nicht abverlangen, sich von der Geschichte verurteilen zu lassen“, sagte er demnach.
Mehr als 3.000 Menschen ermordet
Am 11. September 1973 hatten das chilenische Militär und die Polizei unterstützt vom US-Auslandsgeheimdienst CIA gegen die demokratisch gewählte sozialistische Regierung unter Salvador Allende geputscht. Die Militärjunta unter der Führung von Augusto Pinochet regierte über die folgenden 17 Jahre das Land mit harter Hand. Laut offiziellen Zahlen ermordeten die Militärs mehr als 3.000 Personen, verhafteten und folterten über 28.000 Menschen.
Präsident Kast ist seit März im Amt. In der Vergangenheit bezeichnete er den Militärputsch als „Befreiungsschlag“ gegen den Kommunismus. Derzeit debattiert seine Regierung über die Begnadigung von Militärangehörigen, die wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt sind. Laut dem Radiosender Bio Bio kam es bei dem Gedenken vereinzelt zu Ausschreitungen und Straßenbarrikaden.



