Expertin: Entwicklungskürzungen gefährden Erfolge der HIV-Prävention

Expertin: Entwicklungskürzungen gefährden Erfolge der HIV-Prävention
Die Kürzungen bei der Entwicklungsfinanzierung treffen Projekte der sexuellen und reproduktiven Gesundheit besonders hart, warnt Gesundheitsexpertin Bähr. Sie könnten Millionen zusätzliche ungewollte Schwangerschaften zur Folge haben.
12.09.2026
epd
epd-Gespräch: Gundula Haage

Berlin (epd). Weniger Geld für HIV-Prävention, Mutter-Kind-Gesundheit und Familienplanung: Die Gesundheitswissenschaftlerin Angela Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hat vor gravierenden Folgen der weltweiten Entwicklungskürzungen für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte gewarnt. Weltweit seien bereits im vergangenen Jahr die Mittel für HIV-Behandlung und Prävention um 18 Prozent gesunken, sagte Bähr dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Auswirkungen seien verheerend: „Wir hören beispielsweise aus Kenia, dass dort im Moment keine HIV-Tests mehr zur Verfügung stehen.“

Im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit seien die Ausgaben weltweit um 21 Prozent gesunken, für Familienplanung um 19 Prozent. Da sich die Folgen von weniger Verhütungsmitteln und gestrichenen Gesundheitsprogrammen erst mit Verzögerung zeigten, rechne die DSW mit bis zu 17 Millionen zusätzlichen unbeabsichtigten Schwangerschaften und bis zu 34.000 Todesfällen bei Müttern, führte Bähr aus. Als Vorständin ist Bähr für die internationalen Programme der Entwicklungsorganisation verantwortlich.

Auch Deutschland sorgt mit Kürzungen für weitere Defizite

Grund für die sinkenden Mittel sei insbesondere der Rückzug der USA aus der Entwicklungsfinanzierung. Noch 2024 hätten die USA „locker über 60 bis 70 Prozent“ der Projekte für sexuelle und reproduktive Gesundheit auf dem afrikanischen Kontinent finanziert, die nun weitestgehend weggefallen seien, sagte Bähr. Seit dem erneuten Amtsantritt von Präsident Donald Trump zeige sich eine radikale Neuausrichtung der US-Entwicklungspolitik: Bilaterale US-Hilfen würden an eingeschränkte reproduktive Rechte, etwa durch de-facto-Abtreibungsverbote, oder eine Rücknahme der Unterstützung für queere Menschen geknüpft.

Der Kürzungstrend setzt sich jedoch auch bei europäischen Geberländern wie Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland fort. Der in dieser Woche im Bundestag verhandelte Entwicklungshaushalt sieht Kürzungen um rund sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr vor. Es handelt sich bereits um die fünfte Kürzungsrunde in Folge.

Bähr: Weniger Verhütung bedeutet höhere Folgekosten

Mit Blick auf die bereits prekäre Lage brauche es vonseiten der Bundesregierung einen Richtungswechsel und „keine weiteren Kürzungen“, betonte Bähr. Insbesondere die deutschen Beiträge für den UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) und den Dachverband für sexuelle und reproduktive Gesundheit (IPPF) müssten steigen.

Globale Gesundheit sei „ein öffentliches Gut“ und müsse entsprechend finanziell unterstützt werden. Schließlich sei reproduktive Gesundheit im Kampf gegen Armut entscheidend. Selbst aus volkswirtschaftlicher Sicht seien Finanzmittel in diesem Bereich sinnvoll: „Jeder zusätzliche Dollar für Verhütungsangebote spart 2,48 US-Dollar an Folgekosten“, unterstrich die Gesundheitsexpertin.