Berlin (epd). Die deutsche Gesellschaft ist laut einer Analyse der Diakonie nicht einfach in zwei Lager zwischen links und rechts gespalten. Stattdessen unterscheiden sich die Positionen zu Demokratie, Redefreiheit, sozialer Gerechtigkeit und Alltagssorgen in vier ungefähr gleich große gesellschaftliche Grundhaltungen, wie die am Freitag veröffentlichte repräsentative Untersuchung „Was uns trennt. Was uns ins Gespräch bringt“ der evangelischen Diakonie-Arbeitsstelle midi ergab. Angesichts des Wahlerfolgs der AfD in Sachsen-Anhalt könne die Studie Erklärungsansätze für gesellschaftliche Polarisierung liefern, erklärte die Diakonie Deutschland.
Bei allen Unterschieden teilten die vier Gruppen das Gefühl, von der Politik nicht ausreichend gehört zu werden. „Wenn Menschen auf dem Land monatelang auf Arzttermine warten, Züge unzuverlässig fahren oder die Mieten und Energiekosten das Budget sprengen, muss die Bundesregierung das ernst nehmen“, erklärte Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch.
Meinungsfreiheit als Konfliktlinie
Laut der Analyse sind vier unterschiedliche Grundhaltungen erkennbar: Die Gruppe der „enttäuschten Ungehörten“ macht demnach 24,1 Prozent der Befragten aus. Sie stehen Demokratie, Migration und Islamismus kritisch gegenüber und sehen Rechtsradikalismus nicht als Bedrohung. Die „rundum Verunsicherten“ (23,9 Prozent) sind ebenfalls eher demokratieskeptisch eingestellt, politisch jedoch in der Mitte verortet.
Die „progressiven Gerechtigkeitskritiker“ (24,2 Prozent) vertrauen den Ergebnissen zufolge demokratischen Institutionen, kritisieren aber soziale Ungleichheit und sorgen sich besonders um Rechtsextremismus und die Klimakrise. Die „vertrauensvoll Wachsamen“ (27,9 Prozent) sind mit Demokratie und ihrem eigenen Leben überwiegend zufrieden.
Besonders groß ist die Kluft beim Thema Redefreiheit: 79,5 Prozent der enttäuschten Ungehörten„ meinen, man könne in Deutschland seine Meinung nicht mehr ohne Sanktionen oder sozialen Druck äußern. Bei den “progressiven Gerechtigkeitskritikern" sind es dagegen nur 15,1 Prozent.



