Landesbischof Kramer: Nicht zur Normalität übergehen

Landesbischof Kramer: Nicht zur Normalität übergehen
Den Kirchen kommt nach der Wahl in Sachsen-Anhalt nach Überzeugung von Bischof Friedrich Kramer eine mehrfache Rolle zu. Die Kirche wolle Räume für den Dialog öffnen, aber auch klar positioniert bleiben, sagt er.

Leipzig (epd). Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland will nach der Wahl in Sachsen-Anhalt nicht zur Normalität übergehen. „Dass eine rechtsextreme Partei nach der Macht greift, ist nicht normal“, sagte der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer am Donnerstag im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Den Kirchen komme nun eine dreifache Rolle zu, sagte Kramer. Zunächst wolle sie sich auf ihren Kernauftrag konzentrieren, das Evangelium zu verkünden. Gleichzeitig solle die Kirche eine Stimme sein für die, die an den Rand gedrängt werden und für die „die jetzt verschreckt und auch bedroht sind und auch real Angst haben“. Zudem öffne die Kirche Räume, wo offener Austausch passiere, sagte der Bischof.

Dabei wolle die Kirche jedoch „klar positioniert“ bleiben. Die Kirche werde sich auch angesichts der Drohung von Finanzkürzungen durch die AfD nicht wegducken. „Wir werden uns wehren, mit den Möglichkeiten, die der Rechtsstaat bietet“, sagte Kramer. „Unsere Werte wurden nicht abgewählt, sondern die stehen seit 2.000 Jahren und gehen auch weiter“, bekräftigte der Landesbischof.

Unterscheiden zwischen Partei und Wählern

Kramer beklagte zudem eine gespaltene Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft. So würden AfD- oder BSW-Wähler andere Medien konsumieren als andere Wähler, argumentierte er. Dabei bräuchte es gemeinsame Lebensräume. Der Bischof erklärte, er unterscheide zwischen der Programmatik und den Parteifunktionären der AfD einerseits und der „bunten“ AfD-Wählerschaft andererseits.

Dem vorläufigen Ergebnis zufolge erreichte die AfD bei der Wahl am Sonntag 43,8 Prozent der Stimmen.