Frauenberatungsstellen: Versorgungslücken bei digitaler Gewalt

Frauenberatungsstellen: Versorgungslücken bei digitaler Gewalt
Frauenberatungsstellen sehen eine Versorgungslücke bei digitaler Gewalt. Im Jahr 2025 konnte Betroffenen in mehr als 3.000 Fällen nicht geholfen werden.

Berlin (epd). Der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe sieht eine Versorgungslücke bei digitaler Gewalt. Digitale Gewalt sei zunehmend Bestandteil von (Ex-)Partnerschaftsgewalt und Stalking, teilte der Verband am Donnerstag in Berlin mit. Gerade bei der Unterstützung von betroffenen Frauen zeigten sich „erhebliche Versorgungslücken“.

In vielen Beratungsprozessen sei in solchen Fällen das Hinzuziehen von IT-Support unerlässlich. Doch diese Unterstützung sei bislang oft nicht finanziert. Nach Angaben der Fachberatungsstellen bestand 2025 in mehr als 3.000 Fällen ein entsprechender Bedarf, ohne dass der notwendige Support ermöglicht werden konnte, heißt es in der Mitteilung.

2025 mehr als 100.000 Menschen beraten

Zu den Formen digitaler Gewalt zählen Cyberstalking, bildbasierte sexualisierte Gewalt, sexuelle Belästigung auf digitalen Plattformen, Cybermobbing, Identitätsdiebstahl, Hassrede oder auch Gewalt mittels vernetzter Geräte, die etwa eine Ortung oder ein Bewegungsprofil ermöglichen. Unter den häufigsten Beratungsanfragen mit hauptsächlich digitalem Bezug sind laut dem Verband bildbasierte sexualisierte Gewalt und Stalking.

In dem Bundesverband sind über 230 Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen zusammengeschlossen. Sie leisten den Angaben zufolge in Deutschland den hauptsächlichen Anteil der ambulanten Beratung und Hilfestellung für weibliche Opfer von Gewalt.

Im Jahr 2025 haben die im Verband zusammengeschlossenen Fachberatungsstellen mehr als 100.000 Menschen beraten und etwa 313.000 Beratungsgespräche geführt. Damit setzte sich der Anstieg der Leistungen der Fachberatungsstellen gegenüber den Vorjahren fort. 2024 hatten die Fachberatungsstellen erstmals mehr als 100.000 Menschen beraten.

Fall Fernandes sorgte im März für Debatte

Zuletzt hatte es im März nach Bekanntwerden von Vorwürfen der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen gegeben. Auch die Organisation HateAid vermeldete für das Jahr 2025 eine Verdoppelung der Beratungsfälle zu bildbasierter digitaler Gewalt.