Wiesbaden (epd). Die Zahl der Eingliederungshilfen für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige mit seelischer Behinderung hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Träger der Kinder- und Jugendhilfe gewährten 2024 rund 174.000 solcher Hilfen, unter die auch individuelle Schulbegleitungen fallen, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Sieben von zehn Betroffenen seien Jungen gewesen. 2014 habe die Zahl der Eingliederungshilfen noch bei knapp 80.800 gelegen.
Die Hilfen sollen Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen, die von einer seelischen Behinderung betroffen oder bedroht sind, die Teilhabe am sozialen Leben erleichtern. Das umfasst beispielsweise Beratungs- und Therapieangebote, aber auch Kita- und Schulbegleitungen sowie Integrationsassistenzen.
Seelische Probleme und Entwicklungsauffälligkeiten
Mit Abstand die häufigsten Gründe für eine Eingliederungshilfe waren 2024 nach Angaben der Statistiker seelische Probleme oder Entwicklungsauffälligkeiten (69 Prozent). Dazu zählten zum Beispiel Ängste, suizidale Tendenzen und Entwicklungsverzögerungen.
In 53 Prozent der Fälle seien die Hilfen aufgrund von schulischen oder beruflichen Problemen gewährt worden, etwa bei ADHS, Hyperaktivität und Schulschwänzen, erklärte das Statistische Bundesamt. Auffälligkeiten im Sozialverhalten wie Isolation, Drogenkonsum und Aggressivität seien in 36 Prozent der Fälle ein Grund gewesen. Es konnten auch mehrere Gründe für die Einleitung einer Hilfe genannt werden.
Auf die Altersgruppe der 6- bis 11-Jährigen entfielen laut Statistikbehörde 45 Prozent der Hilfen. 42 Prozent der Kinder seien 12 bis 17 Jahre alt gewesen, junge Volljährige ab 18 Jahren (11 Prozent) und Kinder unter 6 Jahren (2 Prozent) dagegen weniger betroffen. Im Schnitt habe eine im Jahr 2024 begonnene Eingliederungshilfe 23 Monate gedauert.



