Berlin (epd). Spitzenkandidaten der Berliner Parteien haben sich vor der Abgeordnetenhauswahl in der Hauptstadt für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgesprochen. Unter anderem Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus stellten ein Problem dar, erklärten die Kandidatinnen und Kandidaten von CDU, SPD, Grünen und Linken am Dienstagabend auf einer von den Kirchen veranstalteten Podiumsdiskussion. Zu dem ökumenischen Forum hatten der evangelische Bischof Christian Stäblein und der katholische Erzbischof Heiner Koch eingeladen.
Die AfD wurde den Angaben zufolge nicht eingeladen, da sie Werte der Kirche wie Nächstenliebe und ein demokratisches, kooperatives Miteinander nicht vertrete. In Berlin wird am 20. September gewählt.
Der CDU-Kandidat, Finanz- und Kultursenator Stefan Evers, sagte, der gesellschaftliche Kitt müsse gestärkt werden. „Wir sehen, dass der Respekt voreinander leidet.“ Er wende sich gegen „jede Art von Extremismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit, egal, woher sie kommt“. Gegenüber jüdischem Leben bestünde eine „besondere historische Verpflichtung in dieser Stadt“. Steffen Krach (SPD) forderte, es müsse „mehr Verbindung, weniger Spaltung“ geben. Jüdinnen und Juden hätten Ängste in Berlin, über antimuslimischen Rassismus müsse „genauso gesprochen werden“.
Elif Eralp (Linke) sagte, man müsse „wegkommen von der Polarisierung“ hin zu einer „umarmenden Politik“. Grünen-Kandidat Werner Graf beklagte, dass gemeinsame Projekte zwischen den Religionen wie die Drei-Religionen-Kita oder das House of One keine Gelder erhielten.
Religionsunterricht: Freiwillig oder Pflichtfach?
Unterschiedliche Auffassungen gab es beim Thema Religionsunterricht an Schulen. Während sich die Kandidaten der CDU und SPD für eine Stärkung des Religionsunterrichts aussprachen, halten Grüne und Linke am bisherigen Modell der Freiwilligkeit fest.
Die Bischöfe warnten vor einem Vertrauensverlust in die Demokratie. „Wir sind in sehr ernsten Zeiten“, sagte der evangelische Bischof Stäblein. Die Kirchen seien keine Partei, „aber wir sind parteiisch, wenn es um die Verteidigung unserer liberalen Demokratie geht“.



