IW Köln: 2029 fehlen 723.000 Fachkräfte

IW Köln: 2029 fehlen 723.000 Fachkräfte
"Babyboomer" in Rente, kaum Anwerbung aus Drittstaaten: Die Fachkräftelücke in Deutschland werde ohne Weichenstellungen weiter wachsen, mahnen Wirtschaftsforscher.

Köln (epd). Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln wird die Fachkräftelücke in den kommenden Jahren noch größer. Ohne Gegensteuerung und bei einem „Weitermachen wie bisher“ könnten im Jahr 2029 rund 723.000 Fachkräfte in Deutschland fehlen, erklärte das IW am Montag in Köln zur Aktualisierung seiner Arbeitsmarktfortschreibung bis zum Jahr 2029. Das bedeute, dass die Fachkräftelücke um 47 Prozent höher ausfallen werde als noch 2024.

Die größte Fachkräftelücke klafft den Berechnungen zufolge 2029 im Verkauf, etwa bei den Einzelhandelskaufleuten, wo rund 39.000 Menschen fehlen werden. Die zweitgrößte Fachkräftelücke für 2029 errechnet das IW auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes für den Bereich Kinderbetreuung und -erziehung mit 29.909 fehlenden Kräften. Auf Platz drei folgt der Bereich Sozialarbeit/Sozialpädagogik mit 23.489 fehlenden Personen, auf Platz vier die Gesundheits- und Krankenpflege (18.769). Insgesamt nahm das Institut für die Erhebung 1.300 Berufe in den Blick.

Umsetzung des Sondervermögens könnte am Personal scheitern

Problematisch werde es auch in den Bereichen, in denen Hunderte Milliarden Euro als Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität investiert werden sollen, erklärte das IW. 2029 dürften rund 15.000 Expertinnen und Experten für Bauplanung und -überwachung fehlen. Auch in Ausbildungsberufen in der Industrie sieht das Institut große Lücken: So könnten 2029 rund 15.900 Fachkräfte in der Kraftfahrzeugtechnik fehlen, 13.800 in der elektrischen Betriebstechnik und 13.600 in der Mechatronik.

Der Hauptbeschleuniger für den Trend einer wachsenden Fachkräftelücke ist laut IW-Forschern der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“. Auch Zuwanderung werde absehbar nicht mehr ausreichen, hieß es. „Der Fachkräftemangel wird sich daher in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren, etwa bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker“, erklärte IW-Experte Alexander Burstedde. Die Politik sollte kurzfristig die Arbeitsanreize erhöhen und mehr qualifizierte Zuwanderung aus EU-Drittstaaten organisieren, forderte er.