Lima, Bogotá (epd). In Kolumbien hat die Ombudsstelle vor einem „Wettbewerb der Grausamkeit“ zwischen dem Staat und bewaffneten Gruppen gewarnt. Gerade der Staat müsse sich bei seinem Vorgehen an Grenzen halten, auch in Bezug auf die Opfer, erklärte am Sonntag (Ortszeit) die nationale Ombudsfrau, Iris Marín, die Anlaufstelle für die Bevölkerung bei Menschenrechtsverletzungen ist. Auch Bilder und Symbole müssten diese Grenzen einhalten.
Hintergrund für Maríns Kritik ist die Veröffentlichung von Aufnahmen getöteter mutmaßlicher Guerilla-Kämpfer durch den neuen Präsidenten, Abelardo de la Espriella. Der seit einem Monat amtierende Rechtspopulist hat in den vergangenen Wochen mehrfach über soziale Netzwerke über Militärschläge gegen bewaffnete Gruppen informiert und diese an der Zahl getöteter „Terroristen“ gemessen. Erst am Sonntag veröffentlichte er ein Video, in dem er eine Rede vor getöteten angeblichen Aufständischen hält, die in weiße Plastikfolie eingewickelte sind.
Staatliche Gewalt für Menschenwürde einsetzen
„Kolumbien weiß nur zu gut, was passiert, wenn Körper, Demütigung und Angst dazu benutzt werden, Botschaften der Herrschaft zu vermitteln“, sagte Marín in einem über die Plattform X verbreiteten Video. „Das darf nicht die Sprache des Staates sein.“ Dieser müsse seine Gewalt stattdessen dafür einsetzen, die Würde des Menschen und das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen.
In Kolumbien herrscht seit den 1960er Jahren Krieg zwischen dem Staat, Guerillagruppen und paramilitärischen Milizen. Hunderttausende Menschen wurden getötet, rund neun Millionen mussten fliehen. Die Gruppen finanzieren sich hauptsächlich durch den illegalen Goldabbau und die Produktion von Kokain.
Während de la Espriellas Vorgänger, der erste linke Präsident, Gustavo Petro, versucht hat, den Krieg durch Dialog mit allen Gruppen zu beenden, will der Rechtspopulist die bewaffneten Gruppen mit militärischen Mitteln bekämpfen. Zuletzt hat ihm ein Gericht die Bombardierung von Regionen untersagt, in der Kindersoldaten eingesetzt werden.



