Offene Kirchen und Demonstrationen in Sachsen-Anhalt

Offene Kirchen und Demonstrationen in Sachsen-Anhalt
Am Sonntag hat Sachsen-Anhalt gewählt. Das ganze Wochenende gingen Menschen auf die Straße, um für Demokratie und Menschlichkeit einzustehen. Für den Wahlabend waren weitere Proteste geplant.
06.09.2026
epd
Von Thomas Nawrath (epd)

Magdeburg (epd). Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sind am Sonntag bis zum Schluss von Kundgebungen und Protesten begleitet worden. Linke und andere zivilgesellschaftliche Gruppen hatten noch für Sonntagnachmittag zu Demonstrationen in Dessau-Roßlau, Halle und Magdeburg aufgerufen. Die Polizei erwartete abhängig vom konkreten Wahlergebnis weitere Proteste am Abend vor dem Landtag und im Bereich des Medienzentrums an der Messe Magdeburg. Entsprechend seien „alle verfügbaren Polizeikräfte im Einsatz“. Unterstützung gab es aus acht Bundesländern sowie der Bundespolizei.

Bereits am Samstag hatte es zahlreiche Versammlungen in mehreren Städten gegeben, die größte in Magdeburg vor dem Dom. Laut Veranstalter versammelten sich dort bis zu 15.000 Menschen, um für Demokratie und Vielfalt zu demonstrieren. Die Polizei sprach von rund 8.000.

Großes Medieninteresse

Letzte Umfragen zeigten die AfD vor der CDU. Bislang wurde Sachsen-Anhalt von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP unter Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) regiert. Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Zur Wahl waren rund 800 Journalistinnen und Journalisten akkreditiert, darunter zahlreiche ausländische Medien.

Am Sonntag versammelten sich in Magdeburg erneut am Nachmittag nach Veranstalterangaben bis zu 400 Menschen auf dem Domplatz vor dem Landtag. Aufgerufen hatten dazu die DGB-Jugend, Greenpeace, die „Omas gegen Rechts“ und das Bündnis „Solidarisches Magdeburg“. Unter dem Motto „Sachsen-Anhalt juckt mich! Sachsen-Anhalt bleibt weltoffen“ waren Aktionen „für Demokratie, eine vielfältige Gesellschaft, Solidarität und Menschlichkeit“ geplant. So gestalteten Teilnehmer aus tausenden farbigen Papierbögen einen 35 mal 50 Meter großen Schriftzug „Wir bleiben bunt“ und aus einzelnen Stoffbahnen eine 50 Meter lange Regenbogenfahne. Ab 18 Uhr war direkt vor dem Landtag eine weitere Kundgebung der Initiativen geplant. Am Nachmittag hatte es zudem eine Kundgebung linker Gruppierungen mit bis zu 80 Teilnehmern vor dem Magdeburger Hauptbahnhof gegeben.

Proteste gegen möglichen Rechtsruck

Auf den Steintorplatz in Halle sollte am Sonntag ab 18 Uhr ein dreitägiges Versammlungscamp von zivilgesellschaftlichen und linken Gruppen beginnen. Unter dem Motto „Sofa - Solidarischer Ort für alle“ waren Workshops, Gesprächsräume, Musik und kostenloses Essen geplant. Es gebe Befürchtungen, dass „ein freies, selbstbestimmtes Leben“ mit einer Regierungsbeteiligung der AfD schwieriger werde, hieß es. In Dessau-Roßlau war für Sonntagabend unter dem Motto „Unsere Zukunft. Unsere Wahl“ am Bauhausmuseum eine Demonstration gegen Rechtsextremismus und für den Erhalt der Demokratie vorgesehen.

Offene Kirchen am Wahlabend

Einige Kirchengemeinden in Sachsen-Anhalt kündigten an, am Sonntag oder in den kommenden Tagen ihre Türen für Gebet und Einkehr zu öffnen. So war für Sonntagabend etwa in Köthen in St. Jacob eine Andacht zusammen mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Karsten Wolkenhauer, geplant. Auch in Kleutsch bei Dessau, Oranienbaum, Dessau-Ziebigk und Preußlitz sollten Kirchen ihre Türen öffnen.